Berühmt als Kostüm

Sie prägten die Film- und Fernsehwelt, aber keiner kennt sie ohne ihre Kostüme. So wie Chewie, der Night King oder E.T.

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Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Achtung, Spoiler für «Game of Thrones»-Fans im ersten Abschnitt.

Diese Woche verloren gleich zwei legendäre Serien ihre prägendsten Figuren, «Star Wars» und «Game of Thrones». Einmal in der Realität, einmal in der Fiktion. Der Schauspieler Peter Mayhew alias Wookiee Chewbacca starb 74-jährig in Texas. Im Fernsehen zerbarst der Night King alias Vladimir Furdik in Millionen Stücke, nachdem er 7 Staffeln lang den Schauder der Serie am Leben gehalten hatte – ohne auch nur einen Satz gesprochen zu haben.

Der zottelige Chewie sprach ebenfalls nie, nur Geräusche gab er von sich. Allerdings stammten sie nicht von Peter Mayhew selber: Er wurde als Chewie synchronisiert. Wie müssen sich Schauspieler fühlen, die – obwohl sie die bekanntesten Figuren der Film- und Fernsehgeschichte verkörpern – höchstens von eingefleischten Fans erkannt werden? Die nicht beweisen können, welche Qualitäten in ihnen stecken, weil eine Maske oder ein Kostüm sie daran hindert?

Chewbacca um jeden Preis

Peter Mayhew, der vor und nach «Star Wars» in keinen nennenswerten Rollen zu sehen war, hat offenbar wenig damit gehadert. «Er hat sein Herz und seine Seele in die Rolle von Chewbacca gesteckt und zeigte dies in jedem Einzelbild des Films», schrieb seine Familie in einer Nachricht zu seinem Tod. Um in der siebten Star-Wars-Episode «The Force Awakens» ins Zottelkostüm steigen zu können, musste er all seine Kräfte mobilisieren.

Eine Knieverletzung hatte den 70-jährigen Riesen – er war 2,21 Meter gross – in den Rollstuhl gezwungen, eine schwere Lungenentzündung ins Spital. Aber er wollte unbedingt und schaffte es nach einer intensiven Reha, zum fünften Mal nach 1977 den Chewie zu spielen. Es sollte das letzte Mal bleiben. 1997 erhielt er an den MTV Movie Awards immerhin einen Lifetime Achievement Award für seine Rolle als Chewie.

«Happy Birthday» vom Night King

Auf eine solche Auszeichnung dürfte der slowakische Night-King-Darsteller Vladimir Furdik vergeblich hoffen. Genau genommen verkörperte er auch erst seit Staffel 6 das todbringende Böse in «Game of Thrones». Ursprünglich war Furdik als Stuntman für die Serie engagiert, bis er den eigentlichen Night King ersetzen durfte, der aus Termingründen aussteigen musste. Seine erste richtige Rolle hatte er 1994 als Prinz im italienischen Märchenfilm «Desideria e l'anello del drago» zu Deutsch: «Der Ring des Drachen». Abgesehen davon ist er sich als Stuntman («Thor», «Sherlock Holmes») das Leben im Schatten anderer gewohnt. Auf die Frage, wie oft er erkannt werde, sagte er «nicht oft».

Und wenn, dann aber bekomme er am häufigsten jene Frage zu hören: «Können Sie bitte Jon Snow töten?» Er nimmts offenbar locker und ist auch sonst ganz weit weg von Starallüren. So spricht er nebenher für 100 Dollar personalisierte Geburtstagswünsche für GoT-Fans in seine Handykamera.

Ob er das nur zum Spass macht oder damit sein Gehalt aufbessern muss? Jedenfalls ist der Stuntman mit seinem kantigen Gesicht und seinem starken Akzent nicht der Typ, der eine fürstlich bezahlte Hauptrolle in einem Hollywoodfilm übernehmen kann, sondern höchstens der Typ Nebenrolle.

Unbekannt trotz 150 Produktionen

Manche sind offenbar dazu gemacht, in Rollen oder Kostüme anderer Personen oder Figuren zu schlüpfen, wie Doug Jones, der Amphibienmann aus dem letztjährigen Oscar-Gewinner «Shape of Water». Dass er oft für nicht menschliche Rollen besetzt wird, hat mit seinem Talent zu tun – als Schlangenmensch kann sich der 59-jährige Amerikaner auf eine so einzigartige Weise bewegen wie kaum jemand sonst. Sein schlaksiger Körperbau sticht ebenfalls heraus.

Was ihn psychisch lange belastete, befeuerte seine Karriere. In bereits über 150 Produktionen von «Hellboy» bis «Pans Labyrinth» war er zu sehen – beziehungsweise eben nicht. Das macht ihn zum bekanntesten Unsichtbaren Hollywoods: «Ich musste eine kleine Depression überwinden und fragte mich: ‹Bin ich dazu verdammt, Gummi und Kleber für den Rest meines Lebens zu tragen?›»

Auch der 86 Zentimeter kleine Pat Bilon hatte die Rolle seines Lebens dem Körper zu verdanken: Er spielte den Ausserirdischen E.T. Das Kostüm wog rund 20 Kilogramm, fast so viel wie er selber. Steven Spielberg nannte ihn «den grössten Helfer von E.T.» Viel hatte er nicht davon. Bilon hatte verschiedene Jobs und bezeichnete sich einst als hungernden Schauspieler. Zwei Jahre nach E.T. starb er nur 35-jährig.

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