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Berufsverbot für Regisseur Panahi bestätigt

Der iranische Regisseur und Sacharow-Preisträger Jafar Panahi darf wegen Systemkritik weiterhin keine Filme drehen.

Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA am Donnerstag berichtete, bleiben Berufs-, Interview- und Ausreiseverbot sowie der Hausarrest bestehen. Damit düpiert der Iran das EU-Parlament, das mehrfach die Rehabilitierung des Künstlers gefordert hatte. Alle bisherigen Berufungen wurden abgewiesen.

Panahis Fall ist keine Ausnahme im Iran. Seit 1979 sind Filmschaffende im Gottesstaat starken Einschränkungen ausgesetzt. Sie werden akribisch beobachtet und ihre künstlerische Arbeit muss immer wieder approbiert werden. Darüber hinaus führt das Kulturministerium genaue Einträge über die Künstler.

Panahi ist einem breiteren Publikum auch im Westen durch seinen Film «Offside» bekannt, bei dem es um fussballbegeisterte junge Iranerinnen geht. Der Filmemacher war bereits 2009 in Ungnade gefallen, als er bei der umstrittenen Wiederwahl von Mahmoud Ahmadinejad zum Präsidenten demonstrativ den Oppositionskandidaten Mir Hossein Moussavi unterstützte. Zusammen mit seiner Familie wurde er am 1. März 2010 von Revolutionswächtern festgenommen und ohne Anklage und Anwalt ins berüchtigte Teheraner Evin-Gefängnis geworfen, wo er knapp drei Monate bleiben musste.

Während dieser Zeit trat er in einen international viel beachteten Hungerstreik, um einen eigenen Anwalt zugestanden zu erhalten. Am 25. Mai 2010 kam er gegen Zahlung einer Kaution von 200'000 US-Dollar stark abgemagert bis zum Beginn des Strafprozesses frei. Er wurde zu einer sechsjährigen Haft und zu 20 Jahren Berufsverbot verurteilt. Auf internationalem Druck wurde die Gefängnishaft später in Hausarrest umgewandelt. Allerdings ist es ihm verboten, ins Ausland zu reisen oder Interviews zu geben. Sein Vergehen lautete wie bei fast allen Verurteilungen iranischer Künstler: «Propaganda und Aufstachelung gegen das System».

Goldener Leopard in Locarno

Die letzten vier Jahre beschreibt der Künstler in einem Gespräch mit dem Online-Portal «The daily beast» als «grosses Gefängnis». «Sie haben mich aus der kleinen Gefängniszelle befreit, aber nur, um mich in ein grösseres Gefängnis des Berufsverbotes zu stecken», meint er.

Es sei nicht lustig, eigentlich frei zu sein, sich aber wie ein Gefangener zu fühlen. Er müsse immer wieder versuchen, Gelegenheiten zu finden, um aus dem Dilemma auszuscheren, so der Künstler weiter. Panahi ist aber auch während seiner Zeit unter Hausarrest ein Regimekritiker geblieben und will neuerlich in Berufung gehen. Obwohl er mit einem Filmverbot belegt ist, hat er zwei unautorisierte Streifen produziert.

«Das ist kein Film» ist eine Dokumentation seines Alltags als Filmemacher mit Berufsverbot und «Geschlossener Vorhang», eine Abfolge, die mehr auf seine Psyche eingeht. Der erste Film wurde in Panahis Wohnung in Teheran gedreht, der zweite in seiner Villa an der Kaspischen Küste.

Im Dezember 2012 hatte das Europaparlament Panahi zusammen mit der damals im Iran inhaftierten Anwältin Nasrin Sotoudeh mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Panahi ist zudem Jury-Mitglied beim Filmfestival «Berlinale». Nach seinem Ausreiseverbot wird sein Platz in dem Gremium demonstrativ unbesetzt gehalten. 1997 gewann der Filmemacher mit seinem Werk «Der Spiegel» den Goldenen Leoparden am Filmfestival Locarno.

SDA/phz

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