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Der Untergang eines Senkrechten

Alles sauber? J. C. Chandor erzählt in seiner amerikanischen Kapitalismusparabel «A Most Violent Year» von einem Kaufmann, der anständig bleibt und deshalb seinen Niedergang erlebt.

Öl auf Leinwand: Oscar Isaac (Mitte), der saubere Kaufmann, und seine Frau (Jessica Chastain).Foto: Ascot Elite
Öl auf Leinwand: Oscar Isaac (Mitte), der saubere Kaufmann, und seine Frau (Jessica Chastain).Foto: Ascot Elite

Zuletzt sahen wir ihn, da fror er in New York und hatte nicht einmal einen Wintermantel. Nun verkauft er den Menschen in der Stadt die Wärme, und seine Mäntel sind aus feinstem Stoff. Die Rede ist von Oscar Isaac, er war der abgehängte Folkmusiker in «Inside Llewyn Davis» der Coen-Brüder, er ist nun ein aufrechter Heizölverkäufer in «A Most Violent Year». Beides sind einsame Figuren, abgedrängt an den Rand, ungebraucht von der Welt. Vielleicht hat ­Oscar Isaac, der Zögerliche unter den Leinwandrittern, in J. C. Chandor jetzt den Regisseur gefunden, der die ver­lassensten aller Figuren erfindet; sei es der Wallstreet-Händler, dem in «Margin Call» (2011) die Kontrolle entgleitet, sei es der Skipper, der in «All Is Lost» (2013) auf seinem havarierten Boot allein gegen die See kämpft. «A Most Violent Year», sein dritter Spielfilm, ist die bislang elementarste Erzählung des konsequenten Untergangs, weil sie auf die Urdramatik und die Grandiosität des Kinos vertraut.

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