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Die Mär vom Teamgeist

23 Spieler umfasst eine WM-Delegation. Obwohl nicht jeder zum Spielen kommt, ist eine Fussball-WM für alle ein Abenteuer. Oder nicht? Ein Dokfilm eines Profifussballers spricht eine andere Sprache.

Vor vier Jahren wurde Frankreich fast Weltmeister – hätte sich Zinedine Zidane nicht auf eine Provokation eingelassen und dafür die Rote Karte gesehen. Die Szene kennt die ganze Welt. Was kaum einer weiss: Vikash Dhorasoo war damals auch im Team der Franzosen, allerdings spielte er auf der gleichen Position wie Zidane und war deswegen vor allem auf der Ersatzbank anzutreffen. Konkret spielte er während der WM sechzehn Minuten, davon zehn gegen die Schweiz.

Fred Poulets Dokumentation «Substitute» erinnert an die Geschehnisse der vergangenen WM aus Dhorasoos Perspektive. Die Zuschauer begleiten ihn nach Paris, in Hotelzimmer in Deutschland und hinein in die Stadien. Sie erleben einen hochmotivierten, aber auch bitter enttäuschten Mann, der nur «zweite Wahl» war, obwohl er hart auf die WM hingearbeitet hatte.

Vorwurf der mangelnden Loyalität

Zusammen mit Fred Poulet schmuggelte der Fussballer seine Kamera in Hallen, auf Spielfelder und in Reisebusse rein – und wieder raus. Was als hoffnungsvolles WM-Tagebuch beginnt, wird zum Frustrationsventil: Sein wachsender Unmut, die Isolierung innerhalb der Mannschaft und die Enttäuschung über Trainer Domenech, in dem er stets eine Vaterfigur sah.

Die Bilder, die gegensätzlicher zu heroischen Fussballfilmen und -Dokumentationen nicht sein könnte, zeigt alles mögliche, aber fast keinen Fussball. Stattdessen Hotelzimmer, Flure, abfahrende Busse, Flughafenhallen. Vor allem aber unterlaufen sie das Klischee des Teamplayers, der falsch lächelnd den Spruch «Hauptsache dabei sein» in Mikrofone hinein lügt.

Ein Happyend gibt’s hier freilich nicht. Vikash Dhorasoos ehemalige Kollegen haben ihm nach Erscheinen des Films die Freundschaft aufgekündigt. Sein Verein Paris Saint-Germain feuerte ihn wegen «mangelnder Loyalität». Und nachdem er sich im Training bei seinem neuen Club Fulham verletzt hatte, musste er seine Karriere definitiv beenden.

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