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Ein Eremit, ein Rätsel

Die Bernerin Sophie Huber hat einen essayistischen Porträtfilm über US-Schauspieler Harry Dean Stanton gedreht.

Was ist ein Leben? Mehr als die Biografie, die man sich zurechtlegt? Das, was einen tiefer zeichnet? Dem amerikanischen Filmschauspieler Harry Dean Stanton jedenfalls scheint das Leben ins Gesicht geschrieben: Würde man sein Profil in die Horizontale drehen, sähe man Gebirgszüge und Kluften. Der Mann ist selber schon eine Filmlandschaft, er konnte sich deshalb nie in den Vordergrund drängen und trat in Filmen von Arthur Penn oder Sam Peckinpah als markanter Zwischenrufer auf. Bis er sich eine Hauptrolle zutraute: In Wim Wenders’ Drama «Paris, Texas» stolperte er als stummer Drifter durch den amerikanischen Süden, auf der Suche nach seinen Liebsten.

Die Bernerin Sophie Huber rückt in ihrem essayistischen Porträtfilm «Harry Dean Stanton: Partly Fiction» das Gesicht des 87-jährigen Charakterdarstellers ins schwarzweisse Bild. Viel erzählt der Mann nicht. Dafür singt er auf herzerweichende Art Folksongs in die Kamera. Einmal schaut David Lynch vorbei und trinkt Kaffee, und Kris Kristofferson widmet Stanton ein Lied. Zum Landschaftsgesicht gesellen sich Landschaftsaufnahmen und Filmausschnitte. Am Schluss weiss man über Harry Dean Stanton wenig mehr, als dass er ein Frauenheld war, in Los Angeles seit einem halben Jahrhundert in derselben Bar trinkt und nie viel übrig hatte fürs Theater, das viel Arbeit bedeutete und wenig Geld.

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