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Eine Notlüge, die ins Geld geht

In Micha Lewinskys Komödie «Lotto» macht ein vermeintlicher Geldsegen einen Lebens­müden wieder munter. Als das falsche Spiel auffliegt, ­verfliegt jedoch auch der ­Zauber des Films.

Hans Jürg Zinsli
Endlich gewonnen? Peter Freiburghaus im TV-Film «Lotto».
Endlich gewonnen? Peter Freiburghaus im TV-Film «Lotto».
zvg/Pascal Mora

«Frau tot, Tochter im Rollstuhl, der Sohn eine Enttäuschung.» So zieht Sohn Philipp (Urs Jucker) Bilanz, als sein krebskranker Vater Walter (Peter Freiburghaus) im Spital liegt und nur noch sterben will. Das soll eine Komödie werden? Ja, mit Micha Lewinsky als Autor und Regisseur darf man solches erwarten.

Der Sohn von Charles Lewinsky feierte einst mit luftigen Kinofilmen wie «Der Freund» (2008) und «Die Standesbeamtin» (2009) Erfolge. Dann kam länger nichts mehr, bis sich Lewinsky junior vor zwei Jahren mit «Nichts passiert» zurückmeldete, einem Drama über einen Familienvater, der bei Problemen konsequent wegschaut.

Geld macht munter

Wegschauen ist nun auch das Thema im Fernsehfilm «Lotto», und Familienprobleme gibts auch. Philipp ist ein dauerüberforderter Journalist; zusammen mit seiner körperlich behinderten Schwester (Liliane Amuat) versucht er alles, den todkranken Vater ins Leben zurückzuholen.

Das gelingt tatsächlich, als man Walter mitteilt, dass er fünf Millionen Franken im Lotto gewonnen habe. Walter, der jahrzehntelang glücklos Lotto gespielt hat, ist im Handumdrehen putzmunter und willens, seinen Gewinn – den es nicht gibt – mit vollen Händen auszugeben.

Ist dieses Szenario auch ein Jackpot für den Zuschauer? Nun, die erste Hälfte von Micha Lewinskys Film ist griffig; punkto Figurenzeichnung, Tempo, Tonfall und Spannungsaufbau gibts nichts zu mäkeln. Wie der Sohn alles in Bewegung setzt, um seinen Vater aus dem Spitalbett zu holen, hat Witz, Tragik und Tiefgang.

Auch dann, als die nächsten Freunde und Kolleginnen eingeweiht werden müssen und das ganze Theater mitspielen. Etwa wenn eine Arktis-Reise, die Walter einem Kollegen «spendiert», zwecks Beweiskraft mit Requisiten im Studio nachgestellt werden muss.

Angeblich pleite

Aber je länger «Lotto» dauert, desto mehr beginnt man als Zuschauer an der Glaubwürdigkeit der Geschichte zu zweifeln. Woher nimmt der mit Reportage­aufträgen überhäufte Journalist Philipp plötzlich die Zeit für Ausflüge mit seinem Vater? Und wie treibt er, der angeblich pleite ist, das ganze Geld auf, das der vermeintliche Lottogewinner zum Fenster rausschmeisst?

Geschummelt beim Flunkern

Schade, dass Micha Lewinsky in diesen zentralen Punkten sei-ner Flunker-Feel-Good-Komödie schummelt. Und ziemlich nachlässig mit Nebenfiguren umspringt. So dauert es zum Beispiel kaum einen Wimpernschlag, bis sich ein Zeitungsfotograf unsterblich in Philipps behinderte Schwester verliebt. Anschliessend hat das Paar jedoch kaum noch was zu sagen. Und man fragt sich: Wozu der ganze Zauber, wenn daraus so wenig resultiert?

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