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«Glauben Sie?» – «Ja, an den Zweifel!»

Der US-Satiriker und Hobby-Religionskritiker Bill Maher sucht im Dokumentarfilm «Religulous» nach Gott und findet eine Komödie der fundamentalistischen Art.

Trailer

Weniger nervös als vielmehr erleichtert war Bill Maher, als er am Toronto International Film Festival im September endlich seinen Dokumentarfilm «Religulous» einem Publikum vorführen konnte. «Als Komiker und Talkmaster bin ich mir das Livepublikum gewohnt», so der 52-jährige Amerikaner nach der Premiere, «ein Film ist entsprechend frustrierend, weil man ewig auf die Reaktionen warten muss.» Die Reaktionen auf seinen provokativen Dokumentarfilm waren überraschend gut, denn inzwischen herrscht Tauwetter im amerikanischen Kulturkriegklima.

Nach der 2004 für viele Liberalen schockierenden Wiederwahl von George W. Bush, einem angeblich von Gott gelenkten evangelikalen Christen, wurden Bücher mit dem Titel «God Is Not Great» (Christopher Hitchens) und «The God Delusion» (Richard Dawkins) zu Bestsellern, ohne dass Fatwas gegen die Autoren ausgesprochen wurden. «Die Leute sind froh, dass mal jemand öffentlich sagt, was viele denken», meint Maher dazu, «denn Atheisten glauben oft, sie seien allein auf der Welt, weil sie sich ja nicht in Kirchen versammeln, um ihr Unglaubensbekenntnis anderen mitzuteilen.» Seinen eigenen moralischen Kompass bezieht der Hobby-Religionskritiker, der in einer katholischen Familie mit jüdischer Mutter aufwuchs, angeblich nicht aus judeochristlicher Tradition und schon gar nicht aus der Bibel: «Da hats enorm viel Unmoralisches drin», findet er. «Was mich beim Drehen von ‹Religulous› erstaunte, war, wie viele religiöse Leute keine Ahnung haben, was in der Bibel steht. Sie können nicht einmal die Zehn Gebote aufsagen. Und auch diese sind moralisch inakzeptabel: Wenn man die schlimmsten zehn Sachen auflisten wollte, würde man denn wirklich verzichten auf ‹Vergewaltigung› und ‹Inzest› zu Gunsten von ‹nicht fluchen› und ‹keine Statuen für andere Götter haben›?»

Er wäre gern Schweizer

Seine scharfe Zunge hat Bill Maher schon viel Ärger bereitet: 2002 wurde seine Talkshow «Politically Incorrect» abgesetzt, weil er sagte, die 9/11-Selbstmordattentäter seien keine Feiglinge gewesen – feige sei, wenn man wie die USA aus 2000 Meilen Entfernung Raketen abschiesse. Die Ohrfeige vom Sender ABC verarbeitete er im Bestseller «When You Ride Alone, You Ride With Bin Laden» und schliesslich auch im Soloprogramm von 2005, das er diplomatisch mit «I Am Swiss» betitelte. Es war die Zeit, als das Volk und die Massenmedien statt verfehlter Politik noch den Busen von Janet Jackson ins Gericht nahmen, der während einer TV-Liveshow aus dem Kostüm hüpfte. «Ich liebe mein Land», bekennt Maher, «aber wir machen viel, dass mir so peinlich ist, dass ich manchmal einfach sagen möchte: ‹Ich bin Schweizer. Das geht mich nichts an.›»

Er hofft, dass Obama lügt

Inzwischen zählt der Möchtegern-Schweizer zu den unverblümtesten Sozialkritikern in den USA. Er ist ein häufiger Gast bei «Larry King Live» auf CNN und kann auf einem Pay-Kanal in seiner wöchentlichen TV-Show «Real Time With Bill Maher» reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dabei ist es ja nicht so, dass Bill Maher an gar nichts glaubte: «Ich glaube an den Zweifel. Wir Menschen sind ja nicht einmal fähig, das Irdische zu verstehen und in den Griff zu bekommen. Wie sollen wir denn wissen, was nach dem Tod kommt? Ich habe da keine Antworten. Niemand hat die. Wieso kann man das nicht endlich zugeben?» Neidisch blickt er da auf Europa: «Europa kanns gut ohne Religion – und übrigens auch ohne Ehe», so der überzeugte Single, der auf der Webseite www.freelevi.org den künftigen Schwiegersohn von Sarah Palin als «politischen Gefangenen» bezeichnet und zu dessen Befreiung aufruft.

Als die evangelikale Sarah Palin als Vizepräsidentschafts-Kandidatin bekannt gegeben wurde, spendete Maher für die Obama-Kampagne. «Mit dem Demokraten Jimmy Carter hat die ‹persönliche Beziehung zu Gott› bei den Präsidenten angefangen, und die Republikaner haben diese Masche dann ausgebaut», meint er. «Dabei steht nirgends in der Verfassung etwas von Jesus. Unsere Gründerväter waren ganz klar für Trennung von Kirche und Staat, was Kennedy in seiner berühmten Rede 1960 bekräftigte. Damit, dass Barack Obama auch hin und wieder auf seine christliche Überzeugung hingewiesen hat, kann Maher leben: «Ich hoffe einfach, dass das eine Wahlkampflüge war.»

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