Ihre erste Film-Hauptrolle spielte sie mit 86 Jahren

Schauspielerin Monica Gubser ist tot. Sie war bekannt für Rollen in «Lüthi & Blanc» und «Die letzte Pointe». Ein Nachruf.

«Fast genauso gegangen wie im Film»: Monica Gubser. Foto: PD

«Fast genauso gegangen wie im Film»: Monica Gubser. Foto: PD

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Ihre erste und leider zugleich letzte Film-Hauptrolle spielte sie im Alter von 86 Jahren. Das war «Die letzte Pointe» von Rolf Lyssy, und Monica Gubser verkörperte in dieser charmanten Komödie eine alleinstehende Seniorin, die sich davor fürchtet, kurz vor dem Ende noch zu verblöden. Der Grund: Sie weiss nichts von einer Dating-Plattform, auf der sie sich mit einem eleganten Engländer ausgetauscht haben soll, und der nun persönlich um ihre Gunst wirbt. Wie Gubser diese Lebensfrau, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen will, mit einer fast schon bünzligen Beflissenheit spielte, zeugte von Ernst und Leichtigkeit – und sie erhielt denn auch verdient ihre erste Nomination für den Schweizer Filmpreis.

Gubser, 1931 in Zürich geboren, fand als 13-Jährige dank Shakespeares «Sturm» Gefallen am Theater. Sie absolvierte die Schauspielschule in Zürich, aber dann zog es sie nach Basel, wo sie am Stadttheater erste Engagements erhielt. Da das Angebot an weiblichen Rollen knapp war, musste sie sich jedoch nach Alternativen umsehen. So ging Gubser auf Anraten eines Regisseurs nach Solothurn, wo sie vier Jahre am Theater spielte und unter anderem die Antigone und die Hermia aus dem «Sommernachtstraum» gab.

Der lange Rückzug

Was folgte, war dann allerdings nicht die grosse Bühnenkarriere, sondern der Rückzug ins Private. Gubser lernte in Solothurn ihren Mann kennen, mit dem sie drei Kinder hatte, zusammen führten sie ein Restaurant. Aus diesem Grund gab sie die Schauspielerei während über 30 Jahren auf – und kehrte erst als über 60-Jährige zu dem Beruf zurück; auf der Bühne, aber auch im Kino und im Fernsehen.

Am Beginn von Monica Gubsers Alterskarriere stand die Gertrud Frick in der SRF-Soap «Lüthi & Blanc» (2002), noch bekannter wurde sie als Teil des Seniorinnenquartetts in der Komödie «Die Herbstzeitlosen» (2006) von Bettina Oberli, wobei sie dort ein bisschen im Schatten von Stephanie Glaser stand. Dass sie in der «Letzten Pointe» noch eine Hauptrolle in einem Kinofilm spielte, sieht dessen Regisseur Rolf Lyssy als einen «Glücksfall». «Dass das noch geklappt hat, ist tröstlich – bei aller Trauer.» Gubser sei eine lebendige und neugierige Persönlichkeit gewesen.

Am Mittwoch ist Monica Gubser mit 88 Jahren gestorben. «Sie ist ja jetzt auch fast genauso gegangen wie im Film», sagt Lyssy. «Besser hätte Sie es sich nicht wünschen können.»

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