Im Namen der Propaganda

Militärisch und zäh: «Mockingjay – Teil 1» erscheint als bescheidener Aufgalopp zum grossen «Hunger Games»-Finale.

Eine von vielen Ansprachen: Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Anna Coin (Julianne Moore) im Film «Hunger Games: Mockingjay – Teil 1».

Eine von vielen Ansprachen: Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Anna Coin (Julianne Moore) im Film «Hunger Games: Mockingjay – Teil 1».

(Bild: zvg)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Schluss mit Brot und Spielen, ab sofort herrscht Krieg in Panem. Und Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), jene unbeugsame Pfeil-und-Bogen-Gladiatorin aus den ersten beiden «Hunger Games»-Filmen, steht einmal mehr unfreiwillig im Zentrum des Geschehens. Sie soll als symbolischer Mockingjay (gemeint ist eine fiktive Vogelart) die Rebellen sämtlicher Panem-Distrikte einen, während Revolutionsführerin Anna Coin (Julianne Moore) im unterirdisch bevölkerten Distrikt 13 den Sturz des verhassten Kapitol-Präsidenten Snow (Donald Sutherland) vorbereitet.

Sitzungen, Ansprachen...

Ja, es geht militärisch zu in «The Hunger Games: Mockingjay – Teil 1». Dazu gehört auch ein erbitterter Propagandakrieg, zu dem sowohl Katniss wie auch ihr vormaliger Arena-Gefährte Peeta (Josh Hutcherson) – inzwischen Gefangener des Kapitols – alle Register ziehen. Kurz: Was in den ersten beiden Folgen als multimediales Überlebensspektakel daherkam, präsentiert sich nun als Kampagnen- und Gegenkampagnenschlacht. Mit dem Unterschied, dass die Action im künstlichen Urwald durch Strategiesitzungen und Volksansprachen in grauen Bunkern ersetzt wurde.

In dramatischer Hinsicht bringt das erschreckend wenig. Als Zuschauer beschleicht einen denn auch bald das Gefühl, bloss einem überlangen Trailer zum abschliessenden «Mockingjay – Teil 2» beizuwohnen, welcher die Serie im November 2015 beschliesst. Dieses Finale-Splitting der Buchvorlage (zuvor schon bei «Harry Potter» und «Twilight» erfolgreich erprobt) riecht nach Gewinnmaximierung, spielten doch die ersten beiden «Hunger Games»-Folgen weltweit über 1,5 Milliarden Dollar ein. Warum bloss einen Film drehen, wenn man zweimal abschöpfen kann?

... und immer mehr Figuren

«Mockingjay – Teil 1», wiederum von Francis Lawrence inszeniert, offenbart aber noch ein weiteres Problem: Da in jeder Folge neue Figuren eingeführt werden (aktuell etwa Julianne Moore als Rebellenführerin und ein Minister Antonius, der in der Buchvorlage von Suzanne Collins fehlt), wirds mit der Übersicht immer schwieriger. Und man stellt fest: Statt ausgereifter Charaktere ziehen nurmehr Kurzarbeit verrichtende Stichwortgeber über die Leinwand.

Das ist natürlich schade angesichts erneut vollmundiger Leistungen von Donald Sutherland oder Woody Harrelson (dessen Haymitch Abernathy diesmal in den Alkoholentzug muss). Und ganz besonders traurig ist es im Fall des während der Dreharbeiten verstorbenen Philip Seymour Hoffman: Dieser wird in «Mockingjay – Teil 1» als Plutarch Heavensbee zu einer Schlüsselfigur der Revolte aufgebaut. Aber kaum hat er den denkwürdigen Satz «Jeder ist ersetzbar» gesagt, verschwindet auch diese Figur im übergrossen Personalaufgebot.

Berner Zeitung

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