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Im Reich der Tiere

Der Fuchs? Ist hinterhältig. Der Hase? Verschreckt. Der Disney-Film «Zootopia» ermutigt, diese Vorurteile zu hinterfragen – auf sehr amüsante Art und Weise.

Tiere haben in Disney-Filmen eine lange Tradition. Micky Maus, Bambi oder der König der Löwen sind feste Bestandteile des US-amerikanischen Zeichentrick-Universums. Nun wird diese Welt bereichert mit den Charakteren des Kinofilms «Zootopia». Tiere aus aller Welt haben diese Stadt erschaffen. Wüste, Antarktis, Steppe und Regenwald existieren direkt nebeneinander.

In dieser Riesen-Metropole geht die Häsin Judy Hopps als junge Polizistin zum ersten Mal auf Verbrecherjagd. Unter dem Spott ihrer männlichen Kollegen ermittelt die freche, mutige Hasendame in einem Entführungsfall, widerstrebend unterstützt von dem zwielichtigen Fuchs Nick Wilde. Byron Howard und Rich Moore haben ein spannendes, fantasievolles Kinovergnügen auch in 3-D geschaffen.

Dabei vermittelt der Film - typisch für Disney - ein paar wichtige Botschaften: Kleine und Schwache können sich auch gegen die stärksten Gegner durchsetzen, mit Hartnäckigkeit und Verstand. Und Vorurteile und Diskriminierung machen allen das Leben schwer.

Gerade in einer Zeit, in der in den USA ebenso wie in Europa Rassismus und Misstrauen gegenüber dem Fremden und Unbekannten neu aufflackern, tut die Botschaft des Films gut, gerade weil sie ohne grosse Umschweife auf den Punkt kommt.

Lack der Zivilisation ist dünn

Zwar spielt «Zootopia» mit gängigen Klischees und bestätigt sie sogar, stellt sie aber gleichzeitig in Frage. Füchse sind eben nicht von vorneherein blutrünstige Raubtiere, und Hasen müssen nicht ewig in der Opferrolle verharren. Das findet auch Häsin Judy, als sie ihre ersten Erfahrungen als Polizistin sammelt: «Fürchten muss man nur die Angst.»

Und noch eine Erkenntnis bietet der Film: Der Lack der Zivilisation ist dünn. Er kann jederzeit aufbrechen und die darunter liegenden Grausamkeiten zutage treten lassen; etwa, wenn sich die vermeintlich harmlosen Pflanzenfresser angefeuert von scharfen Stimmungsmachern zusammenrotten, um die Raubtiere zu vernichten.

Allerdings bestätigen viele Fleischfresser diese Vorurteile, scheint doch eine merkwürdige Krankheit umzugehen, die viele von ihnen urplötzlich in rasende Bestien verwandelt. Judy Hopps ist misstrauisch, ob das mit rechten Dingen zugeht.

Spiegelbild der Menschenwelt

18 Monate recherchierten die Filmemacher, studierten das Verhalten der Tiere, reisten nach Afrika, trafen Anthropologen und Soziologen. «Dabei fanden wir heraus, dass der Grossteil - nämlich 90 Prozent - Beutetiere sind», erklärt Howard. «Wir waren immer davon ausgegangen, dass die Raubtiere das Königreich der Tiere regieren, dabei sind sie in der Minderheit.»

Und noch eine Erkenntnis gab es: «Immer wenn es eine grosse Mehrheit und eine kleine Minderheit gab, kam es zu sozialen Reibungen. Wir konnten beobachten, dass jedes Tier sich am liebsten mit Artgenossen umgibt, die genauso aussehen. Sie suchen Schutz und Zuflucht in einer Gruppe und meiden nach Möglichkeit andere, fremde Arten.» Eine Steilvorlage für den Film, der anfangs nur eine lustige Geschichte erzählen sollte. Stattdessen rückten die Filmemacher nun Klischees und Vorurteile ins Zentrum.

Aber natürlich ist «Zootopia» keine Lehrstunde mit erhobenem Zeigefinger. Das Team hat drumherum eine lustige Geschichte in einer fantasievollen Welt gesponnen, mit vielen netten Kleinigkeiten: In Zootopia leben Tiere aus aller Welt vereint und haben sich ihre eigenen Distrikte geschaffen.

In der Antarktis setzen die Fussgänger mit Eisschollen über den Fluss, während sie sich im Regenwald an Lianen schwingen können. Die Beamten sind waschechte Faultiere und lassen sich ganz viel Zeit. Und die wunderschöne, grazile Sängerin Gazelle alias Shakira bringt die Menge mit ihrer umwerfenden Stimme zum Toben. So ist der Film auch ein Spiegelbild der Menschenwelt, das eigene Schwächen gnadenlos offenbart und gerade deshalb grosses Vergnügen bereitet.

SDA/phz

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