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«In jedem von uns steckt ein kleiner Nazi»

Mit flapsigen Sprüchen über die Nazis sorgte Regisseur Lars von Trier am Filmfestival von Cannes für einen Eklat. Jetzt erklärt er sich in einem «Spiegel»-Interview – und macht erneut verwirrende Aussagen.

«Es wäre verlogen zu behaupten, wir würden die Skrupellosigkeit Hitlers nicht verstehen»: Lars von Trier.
«Es wäre verlogen zu behaupten, wir würden die Skrupellosigkeit Hitlers nicht verstehen»: Lars von Trier.
Keystone

Der dänische Filmemacher Lars von Trier wird wohl immer wieder auf seinen berühmt-berüchtigten Auftritt im letzten Mai in Cannes angesprochen werden. «Als ich sagte, ich sei ein Nazi, hat keiner gefragt, wie ich das meine», sagt nun der 55-jährige Filmemacher in einem Interview mit dem «Spiegel» (Artikel online nicht verfügbar). «Dann hätte ich erklären können, dass ich glaube, dass in jedem von uns ein kleiner Nazi steckt.» Diese Erklärung habe bei seiner Medienkonferenz in Cannes gefehlt.

Jeder Mensch kenne in seinem kleinen Leben das Gefühl von Skrupellosigkeit. «Deswegen wäre es verlogen zu behaupten, wir würden die Skrupellosigkeit Hitlers nicht verstehen.» Es sei doch wichtig, dass man Hitler als menschliches Wesen begreife. Von Trier sagt, dass Hitler natürlich kein grosser Staatsmann gewesen sei. Er bezeichnet ihn aber als Idealisten. In der Liga von Stalin und Mao brauche man einen gewissen Idealismus. Idealisten seien gefährliche Menschen, zitiert der Regisseur seinen früheren Philosophielehrer. «Auch ich bin Idealist, aber teile natürlich kein einziges Ideal mit Hitler.»

Kampf gegen Depressionen prägt neuen Film

Der 55-Jährige inszeniert sich gerne als Tabubrecher. Eine Provokation sei immer gut. Sie bringe die Menschen wieder zum Denken und lasse sie Dinge neu bedenken. Die besten Filme seien deshalb diejenigen, aus denen die Zuschauer etwas verwirrt herauskämen.

Im «Spiegel»-Interview äussert sich Lars von Trier auch über seinen neuen Film «Melancholia», in dem er seinen Kampf gegen Depressionen verarbeitet. «Mein Leben erschien mir komplett vergeblich, und ich hatte aufgegeben», beschreibt er seine seelische Befindlichkeit während der Dreharbeiten zu seinem äusserst kontroversen Film «Antichrist». Die Depression sei jetzt weg, jetzt leide er vermehrt an Angstzuständen und Zwangsstörungen. Lars von Triers nächster Film soll «Nymphomaniac» heissen: «halb Pornografie, halb Philosophie».

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