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Kurzfilm der Woche: Altern mit Abkürzung

Spieglein, Spieglein an der Badezimmerwand, wer ist der Jüngste im ganzen Land? Der Hauptdarsteller im ausgezeichneten Kurzfilm «Le miroir» sicher nicht.

«Le miroir» von Ramon & Pedro.

Das Kuriose am Älterwerden ist es, dass es schleichend vor sich geht. Ohne, dass man es bewusst bemerkt, wächst man zuerst selber, bis es nicht mehr weitergeht, während zwischendurch mal Haare wachsen, wo vorhin noch keine waren und Pickel spriessen, wo eben noch alles glatt war. Die Muskeln an den Armen wachsen, die Brust ebenso. Jetzt scheint die Zeit des Körpers für eine Weile stillzustehen, bis plötzlich Fältchen sichtbar werden und zu Linien anwachsen, während der Körper kleiner und kleiner wird. Das alles bemerken wir nicht, wenn wir täglich in den Spiegel schauen. Die Falte ist plötzlich da, die grauen Haare ebenso.

«Le miroir» macht genau das Umgekehrte und zeigt das Älterwerden eines Mannes so, wie man es sonst nur von Fotos kennt, also im Zeitraffer: Vom Zähne putzenden Jungen zum pickligen Teenie, zum verliebten Twen, zum jungen Vater mit der Tätowierung, zum Verlassenen, zum tätowierten Greis, der dem Film schliesslich ein Ende setzt. Die einzige Konstante ist der Badezimmerspiegel, der mal von einem Smiley-Aufkleber geziert wird, später von einem Frauenfoto und noch später von einem Sprung. In knapp fünf Minuten wird fliessend eine Lebensgeschichte erzählt, bei jedem Schnitt schaut ein älteres Alter Ego aus dem Spiegel. Nebendarsteller sind ein Baby und eine duschende Frau. Gesagt wird nichts.

«Le miroir – Reflecting A Lifetime» wurde 2010 erstmals in Locarno gezeigt und seither mehrfach ausgezeichnet. Und unter anderem war der Film von Ramon & Pedro (Regie) und Laurent Fauchère, Antoine Tinguely, Pierrick Destraz (Drehbuch) nominiert für den «Quartz» in der Kategorie bester Kurzfilm.

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