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Kurzfilm der Woche: Ein trockener Western aus Zürich

Nicht viel los im Wilden Westen: Matthias Husers umwerfend trockene Miniatur über zwei Quasi-Cowboys spielt im imaginären Ödland, wurde aber im Kanton Zürich gedreht.

Amerika kennen sie nur aus dem Fernsehen, aber so gehts halt mit der Erfahrungsarmut: Man bastelt sich im Inneren eine imaginäre Landschaft zusammen und befährt sie in Gedanken. Oder gibt ihr ein Bild, so wie der Winterthurer Matthias Huser in seinem straubtrockenen, zwanzigminütigen ZHDK-Diplomfilm «Hunde» von 2005.

Zwei Männer, noch nicht ganz Cowboys, aber auch keine Nicht-Cowboys mehr, kurven mit einer alten Kiste herum im Ödland, manchmal fahren sie tatsächlich nur noch im Kreis, träumend vom fernen Westen oder schon eingedöst vom vielen Träumen. Die Wüstenmusik dazu spielt das bekannte Aad Hollander Trio from Hell, und am Schluss tanzen die beiden Männer einen ungelenken Befreiungstanz. Man könnte sagen: Eigentlich ist dann schon etwas los.

Huser, man merkts schnell, beherrscht die hohe Schule der Lakonie und der präzis eingerahmten Ereignislosigkeit. «Hunde» lief am Filmfestival Cannes im Wettbewerb der Filmschulen und setzt den Stil und die Themen, die der junge Schweizer in seinem Erstling «They Chased Me Through Arizona» ausbaut. Dieser Film lief eben am Festival von Locarno in der Sektion «Cineasti del Presente» und führte nach Polen, wo erneut zwei Männer unterwegs sind. Diesmal, um ausrangierte Telefonkabinen abzuschrauben.

Husers Kino ist ein Kino vom Ende der Welt, in dem sich aufgelöst hat, was früher einmal galt, und die desolate Umgebung zur Projektionsfläche wird für innere Fantasien vom weiten Land der Siedler und von der Freiheit, in den Horizont hineinzureiten. Don Quichotte suchte in der Welt, was er in den Ritterromanen gelesen hat. Husers Wim-Wenders-Männer tun das Gleiche, sie haben einfach andere Bücher gelesen: die vom verwehten Land des Westens. (blu)

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