Mit der nötigen Härte für eine Lizenz zum Töten

Ist «Bodyguard»-Star Richard Madden der nächste Bond? Schön wärs!

«The Bodyguard» mit Richard Madden ist ein Polit-Thriller der Extraklasse.

Philippe Zweifel@delabass

Man darf sich nur nicht vom Titel täuschen lassen. Die TV-Serie «The Bodyguard» ist keine Neuauflage des romantischen Thrillers aus den 90ern mit Kevin Costner und Whitney Houston. Ähnlich triumphierend ist die BBC-Produktion aber. In Grossbritannien, Population 66 Millionen, sahen 17 Millionen Menschen das Staffelfinale – ein neuer Rekord. Das Land, entzweit durch den Brexit, sass einmal pro Woche geeint vor dem Fernseher. Nun ist «The Bodyguard» in 190 Ländern bei Netflix zu sehen und sorgt auch im deutschsprachigen Raum für Kantinengespräche. «Schon gesehen?» – «Krass guter Hauptdarsteller!»

Die Rede ist von Richard Madden. Der 32-jährige Schotte spielt den Afghanistan-Veteranen David Budd, der mit Narben am Körper und einer posttraumatischen Belastungsstörung den Wiedereinstieg ins zivile Leben versucht: Als Personenschützer der Innenministerin, die ins Visier von Terroristen gerät. Wie es sich für einen modernen Thriller gehört, sind die meisten Figuren moralisch ambivalent. Weder David Budd noch die Zuschauer wissen, wem sie trauen können.

Politisch, gesellschaftsrelevant, actiongeladen, sexy und seriell erzählt – «The Bodyguard» erfindet das Krimigenre zwar nicht neu, aber zeigt den State of the Art des Genres auf. «Spannender als die letzten drei Bond-Filme zusammen» bilanzierte die «Süddeutsche Zeitung». Der Vergleich könnte sich als prophetisch herausstellen. Richard Madden wird wegen seiner Leistung in «The Bodyguard» als neuer James Bond gehandelt. Tatsächlich ähnelt er dem abtretenden 007-Darsteller Daniel Craig. Er ist zwar jünger als Craig, der 38-jährig die Bond-Rolle übernahm, bringt aber das kantige Kinn und die nötige Härte im Ausdruck mit. Ebenso die Athletik. Ein Salonlöwe mit der Lizenz zum Töten im Stile eines Roger Moore oder Pierce Brosnan bliebe einem erspart.

Richard Madden als Robb Stark in «Game of Thrones».

Wie Craig ist Madden ursprünglich ein Bühnenschauspieler. Nachdem er mit 11 einen Theaterkurs besuchte, um seine Schüchternheit zu therapieren, durchlief er Grossbritanniens Bühneninstitutionen: Royal Scottish Academy of Music and Drama, Globe Theatre und West End Theatre, wo er unter der Regie von Kenneth Branagh den Romeo gab. Er ist in der Lage, einen mehrschichtigen Agenten zu spielen, wie ihn die Drehbücher der neueren Bond-Filme verlangen. Kurz: Bodyguard David Budd, den Madden mit versehrter Ruhe spielt, ist die perfekte Visitenkarte für die 007-Macher.

Madden ist ausserdem dem jungen Publikum – lies: der werberelevanten Zielgruppe – bestens vertraut. Nicht nur, weil seine bisherigen Freundinnen bekannte Schauspielerinnen, Models und TV-Moderatorinnen waren. In der internationalen Hit-Serie «Game of Thrones» spielt er Robb Stark, einen jungen König, dem eine lange Regentschaft prophezeit wird. Die Figur ist bei den Fans äusserst beliebt, sie wird allerdings gemeuchelt. Die grosse Zukunft von Richard Madden dürfte weniger in Gefahr sein.

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