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Pseudo-Doku «Polisse» – Polizei am Rande des Nervenzusammenbruchs

Der Filmtitel «Polisse» ist von dem Rechtschreibfehler eines Kindes inspiriert: Es geht um den Alltag einer Jugendschutzbrigade der Pariser Polizei, die sich mit Kindsmissbrauch und Jugendkriminalität befasst.

Die Regisseurin Maïwenn selbst spielt die Fotografin Melissa,...
Die Regisseurin Maïwenn selbst spielt die Fotografin Melissa,...
cineman.ch
...die zu PR-Zwecken das eingeschworene Ermittlerteam beim Einsatz begleiten soll.
...die zu PR-Zwecken das eingeschworene Ermittlerteam beim Einsatz begleiten soll.
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Regisseurin Maïwenn recherchierte ausgiebig bei Beamten einer Jugendschutzeinheit.
Regisseurin Maïwenn recherchierte ausgiebig bei Beamten einer Jugendschutzeinheit.
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Regisseurin Maïwenn selbst spielt die Fotografin Melissa, die zu PR-Zwecken das eingeschworene Ermittlerteam beim Einsatz begleiten soll. Das Pseudo-Dokudrama bekam 2011 auf dem Filmfestival in Cannes den Preis der Jury verliehen.

Wir erleben eine Handvoll leidenschaftlich engagierter Polizisten, die sich täglich mit Verbrechen an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft befassen und oft darüber verzweifeln. Ihr Tagesablauf wird realitätsbeflissen mit fiebriger Kamera und schnellen Schnitten geschildert.

In der Dienststelle, in der die Ermittler nicht nur mit Stress und ihren Emotionen, sondern auch mit der Bürokratie kämpfen müssen, herrscht permanenter Ausnahmezustand. Und wenn die Truppe vom morgendlichen Espresso bis zum Feierabend-Drink zusammen ist, werden ständig die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben überschritten.

Aufwühlend

In fliegendem Wechsel lässt die Regisseurin ein Dutzend Fälle und ihre Bearbeitungsphasen Revue passieren. So führt das Geständnis einer kleinen Taschendiebin zu einer herzzerreissenden Razzia in einer rumänischen Wohnwagensiedlung bis hin zur Schiesserei in einem Einkaufszentrum.

Da gibt es den netten Opa, des Missbrauchs an seiner Enkelin angeklagt, der – «da hat sich wohl meine Hand ein wenig verirrt» – keine Spur von Unrechtsbewusstsein zeigt. Und den Fall einer Junkie-Mutter, die ihr Baby aus dem Kindergarten entführt.

Regisseurin Maïwenn recherchierte ausgiebig bei Beamten einer Jugendschutzeinheit. Vom untersten Rand der Gesellschaft bis in grossbürgerliche Kreise zeigt sie authentische Fälle. Mindestens so viel Zeit wie dem eigentlichen Zweck der Einheit widmet sie den privaten Problemen der Ermittler, die reichlich verkorkste Beziehungen haben.

Emotionale Achterbahnfahrt mit Humor

Die Darsteller - darunter der französische Rapper JoeyStarr und Karin Viard aus «Rien à déclarer» - sind vor allem dann hinreissend, wenn sie ihre Nerven verlieren. Wie die Polizistin, die einen strenggläubigen Muslim auf Arabisch anschreit, er solle ihr zeigen, wo im Koran die Erlaubnis für Väter steht, ihre Töchter zwangszuverheiraten.

Und bei der Anhörung eines Mädchens, das Jungs zu Diensten war, um sein Handy zurückzubekommen, flüchtet sich das Team in hysterisches Gelächter: «Es war ein Smartphone», begründet die Kleine ihre Kapitulation. Humor ist das einzige Mittel, um mit dem Elend fertig zu werden.

Die Ermittler, die weder ihr Klientel noch die Kollegen mit Samthandschuhen anfassen, nehmen die Zuschauer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mit. In den persönlichen Beziehungen ist in diesem überhitzten Treibhaus der Gefühle zwar vieles überdramatisiert. Doch gleichgültig wird dieser Film, dessen Protagonisten mal zärtlich, mal taktlos und brutal, aber nie lauwarm sind, niemand lassen.

Denn hinter all der manchmal künstlichen Aufregung steht immer die Frage im Raum, wie das Recht des Stärkeren gebrochen, wie Gerechtigkeit durchgesetzt werden kann.

«Polisse» startet am 17. November in den Deutschschweizer Kinos.

sda/Birgit Roschy/dj

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