Shakespeare, Vatikan, Berlusconi

Regisseur Franco Zeffirelli lebte ein wildes Leben – künstlerisch wie politisch. Nun ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Ein grosser und vielseitiger Vertreter seines Fachs: Franco Zeffirelli (1923–2019). Foto: Paolo Cocco (AFP)

Ein grosser und vielseitiger Vertreter seines Fachs: Franco Zeffirelli (1923–2019). Foto: Paolo Cocco (AFP)

Pascal Blum@pascabl

Zu seinem Namen kam er wegen eines Schreibfehlers: Weil er 1923 in Florenz unehelich geboren wurde, gab ihm seine Mutter den Namen Zeffiretti, ein altertümlicher Ausdruck für «milde Brise». Auf der Geburtsurkunde stand dann aber Zeffirelli. Es war vielleicht besser, denn im italienischen Kulturleben galt der Regisseur nie als Brise, er war schon eher ein heftiger Windstoss. Noch mit 91 beschwerte er sich bei der Scala in Mailand, sie habe seine «Aida» von 2006, welche die absolut beste Inszenierung dieser Oper gewesen sei, abgesetzt und die Bühnenbilder verramscht; dort hiess es damals, man habe sie nun doch 47-mal gespielt. Dem Filmfestival in Venedig verbot er, seine Biografie «Callas Forever» (2002) mit Fanny Ardant zu zeigen, weil dort ohnehin nur «iranische und indische Filme» laufen würden.

Franco Zeffirelli bewegte sich zwischen Film und Oper, mit viel Talent und Sinn für Opulenz und lebhafte Farben. Er inszenierte mehr als 30 Theaterstücke und Opern, war mit Grossen wie Maria Callas und Riccardo Muti befreundet und übernahm auch Szenografie und Kostümbild für Fernsehbearbeitungen wie «Pagliacci» (1998) mit Plácido Domingo. Fürs Kino drehte er viel Shakespeare, Mel Gibson gab ihm den «Hamlet» (1990), in «The Taming of the Shrew» (1967) spielten Elizabeth Taylor und Richard Burton. Internationale Bekanntheit erlangte Franco Zeffirelli mit «Romeo and Juliet» von 1968, einer sinnlich und aufrichtig inszenierten Angelegenheit mit unbekannten jungen Darstellern. Der Film wurde für vier Oscars nominiert.

Einen grossen Teil seiner künstlerischen Erweckung hatte Zeffirelli dem Regisseur Luchino Visconti zu verdanken, für den er als Assistent unter anderem bei «La terra trema» (1948) und «Bellissima» (1951) wirkte; zwischen ihnen entwickelte sich eine Amour fou. Als Dandy mit Hang zum Verschwenderischen provozierte Zeffirelli öfter mit Polemiken und Angriffen und hielt es nicht für widersinnig, als katholischer Schwuler den Vatikan zu verteidigen und während acht Jahren für die Forza Italia von Silvio Berlusconi im Senat zu sitzen. 2018 erhob ein amerikanischer Schauspieler Missbrauchsvorwürfe gegen Zeffirelli; er stritt sie ab. Am Samstag ist Franco Zeffirelli im Alter von 96 Jahren in Rom gestorben.

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