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So klingt das All im Berner Oberland

Eine Berner Firma lieferte den Soundtrack zum neuen Schweizer Kinofilm «Cargo». Mit Epizentrum am Rande des Berner Oberlandes hat ein Team aus ganz Europa in kurzer Zeit Schwerstarbeit geleistet.

Imposante Bilder: Markenzeichen von «Cargo». Dass der Sound mit der starken Bildsprache mitzuhalten vermag, dafür sorgte die Berner Oberländer Firma H2U.
Imposante Bilder: Markenzeichen von «Cargo». Dass der Sound mit der starken Bildsprache mitzuhalten vermag, dafür sorgte die Berner Oberländer Firma H2U.
zvg

Wenn sich ab morgen während der Vorführung von «Cargo» die Finger der Kinobesucher verkrampft im Polster der Armlehne festkrallen, dann sind daran nicht nur fantastische Bildkompositionen und -schnitte schuld. Zu einem guten Teil ist es bei «Cargo» auch die Musik, welche die Emotionen orchestriert. «Regisseur Ivan Engler hatte sehr genaue Vorstellungen, wie der Film zu klingen hat», sagt Fredrik Strömberg. Der Komponist aus Schweden ist Teilhaber der Berner Oberländer Produktionsfirma H2U – Hollywood to Europe. Zusammen mit Tony Sieber (u.a. ehemals Big Red One) aus Gurzelen und TJ Gyger (u.a. DJ Bobo) aus Thun komponierte und produzierte er in knapp vier Monaten den kompletten Soundtrack zum Science-Fiction-Film.

Drei bis vier Stunden Schlaf

«Insgesamt kamen wir auf 1600 Arbeitsstunden in den vier Monaten», erinnert sich Strömberg an die Zeit zwischen März und Juli dieses Jahres. Zum Vergleich: Bei einer 42-Stunden-Woche kommt ein Angestellter in 16 Wochen auf 672 Arbeitsstunden. «Ich hatte nichts anderes mehr im Kopf, schlief noch drei, vier Stunden pro Nacht», berichtet Strömberg. «Manchmal wurde der Alltag zum Wahnsinn»

Top-Firmen ausgestochen

Der Grund, warum die Zeit so knapp bemessen war, sei ein banaler, sagt der Komponist: «Die Crew um Ivan Engler suchte einen neuen Partner, weil der vorherige abgesprungen war.» Über Pirmin Marti – Marketing-Verantwortlicher von H2U in San Diego, mit Solothurner Wurzeln – entstand der Kontakt. Und schliesslich erhielt die Firma mit ihren zwei «Homebases» im Berner Oberland den Zuschlag. «Wir erhielten den Vorzug vor renommierten Bewerbern aus ganz Europa», berichtet Strömberg nicht ohne Stolz. So erhielt er den Auftrag, mit einem Team, das knapp zwei Handvoll Leute umfasst, in vier Monaten dasselbe Produkt abzuliefern, für welches in Hollywood ganze Heerscharen von Musikern und Komponisten ein Jahr und mehr Zeit zur Verfügung haben. Strömbergs salopper Kommentar dazu: «Es war eine Herausforderung – und wir lieben Herausforderungen.»

Arbeit in fünf Ländern

Die meiste Zeit arbeitete der Schwede von Dubai aus. Die Aufnahmen der Streicher hingegen begleitete er persönlich in London. Derweil waren Tony Sieber in Gurzelen und TJ Gyger in Latterbach damit beschäftigt, Strömbergs Kompositionen umzusetzen und zu ergänzen. Hinzu kam Carsten Schmid, der in seinem Studio in Ulm damit beschäftigt war, wo nötig die Grenze zwischen Filmmusik und Soundeffekt zu verwischen. «Insgesamt entstand der Soundtrack in fünf Ländern», erklärt Strömberg. «So läuft das heute.»

78 aus rund 500 Elementen

Total sind im fertigen Film 78 Musikelemente aus der Feder von Fredrik Strömberg und seinen Berner Mitstreitern zu hören. «Geschrieben habe ich rund 500 Tracks», sagt er. «Das sind einerseits Bruchstücke von zwei, drei Sekunden Länge, andererseits aber auch mehrminütige Songs.» Besonders wichtig sei Regisseur Engler gewesen, einen neuen Klang und Sound für Science-Fiction-Filme zu kreieren, erklärt Strömberg. Engeler selber hat durch seine frühere Zusammenarbeit mit der Band Swandive einen engen Bezug zur Musik. «Er wollte einen Sound, der die Stimmung der Bilder wiedergibt.» Genau da habe auch die grösste Herausforderung gelegen: «Der Sound soll die Bilder wahrnehmbar unterstützen – aber nicht dominieren.»

So sind in «Cargo» nicht primär opulent angerichtete Streicherarrangements zu hören, sondern meist elektronisch angehauchte Elemente mit engem Bezug zu Ambientmusik. «Modern soll der Sound sein», sagt Strömberg, «und von hoher Qualität.» Und: «Wir wissen jetzt, dass wir auch Projekte in dieser Grössenordnung gut bewältigen können – und sind bereit dafür.»

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