Zum Hauptinhalt springen

So war die 92. Oscar-Show

Wir sahen dreieinhalb Stunden mit Highlights und Ablöschern. Und ein Duo, das sich für die Moderation 2021 empfahl.

Hans Jürg Zinsli
Katzen, ein schlafender Martin Scorsese und ein Sensationssieger zum Schluss: Das waren die Oscars 2020. (Video: Tamedia)

«Jetzt kann ich etwas trinken gehen», sagte Regisseur Bong Joon-ho, nachdem sein Film «Parasite» wie erwartet den Oscar als Bester Internationaler Film gewonnen hatte. Aber dann kam es anders: «Parasite» entpuppte sich als Abräumer des Abends und war damit gleichsam eine der wenigen Überraschungen.

Dabei war in Ansätzen durchaus zu erkennen, wie es gelingen könnte, ein so nostalgisches Vehikel wie die Oscarshow in der Jetztzeit zu verankern. Da waren zum Beispiel Kristen Wiig und Maya Rudolph, die den Auftrag hatten, die relativ unspektakulären Kategorien Production Design und Kostümdesign zu präsentieren.

Die beiden formten daraus einen Spass in eigener Sache, indem sie zunächst vorgaben, wütend zu sein – und dies dann handkehrum als Vorsprechen in eigener Sache verkauften. Es seien ja viele Regisseure im Saal, und die sollten wissen, dass sie mehr könnten als Comedy.

Damit nicht genug: Wiig und Rudolph sangen darauf die Kostüm-Kategorie gleich noch mit einem schmissigen Medley über Fashion herbei («The Lady in Red», «Vogue»). Billie Eilish verdrehte dazu zwar die Augen, Martin Scorsese und viele andere aber fandens lustig, und auf Twitter wurde denn auch umgehend gefordert, dass Wiig und Rudolph unbedingt die nächste Oscarshow moderieren sollten.

Mehr Show, weniger Spickzettel

Tatsächlich sind die Oscars nach nunmehr zwei Jahren ohne Gastgeber an einem Punkt angelangt, wo man sagen muss: Da fehlt einfach eine Identifikationsfigur, die den Laden zusammenhält. Ein Gastgeber auch, der einen leicht und locker zwischen gefühlten tausend Dankesschwällen hindurch manövriert. Und natürlich sollten die Oscars insgesamt weniger Spickzettel-Ableseveranstaltung, sondern mehr Show sein, ein Anlass also, der seinen Namen verdient.

Dazu würde auch gehören, dass man die abermals auf dreieinhalb Stunden angeschwollene Gala radikal entschlackt. Mehr denn je konnte man sich dieses Jahr fragen: Muss wirklich jeder einzelne der für einen Oscar nominierten Durchschnittsongs live aufgeführt werden? Muss dann auch noch Eminem als Überraschungsgast ohne ersichtlichen Grund «Lose Yourself» in Grund und Boden performen (zur Meldung über den irritierenden Auftritt)?

Was genau sollte die Montage von populären Filmen und den zugehörigen prägenden Songs? Und weshalb verschwendeten Tom Hanks und Akademie-Präsident David Rubin unsere Zeit, viel Werbung für ein Akademie-Museum zu machen, das erst Ende 2020 eröffnet wird?

Ja, es gäbe einiges zu tun bei einer Show, die natürlich bei allen Anstrengungen immer ein Anachronismus bleiben wird. Aber es könnte doch ein vergnüglicherer und vielfältigerer Anachronismus werden, wenn man das Konstrukt und seine Präsentation mal gründlich überdenken würde.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch