Spiderman ist schon wieder zurück – und rockt!

Mit «Spider-Man: Homecoming» kommt diese Woche bereits der sechste Spider-Man-Film seit 2002 in die Kinos. Neues gibts in der Neuauflage kaum. Doch das Altbekannte wurde grandios angerichtet und macht grossen Spass.

Der Trailer zum Film.<br><i>Quelle: Youtube</i>

Ralph Heiniger

Für das Kinderzimmer unseres Sohnes habe ich einen Spider-Man-Teppich gekauft. Schon vor seiner Geburt. Zugegeben: vielleicht etwas zu früh für ein Superhelden-Branding. Aber ich finde den Teenagerhelden mit den Spinnensinnen klasse. Schon auf dem Heimweg von der Primarschule schmökerte ich im Konsum in den neusten Ausgaben von «Die Spinne» – so hiess Spider-Man in den Achtzigern auf Deutsch.

Damals fristete «Die Spinne» in der Schweiz eher ein Schatten­dasein. Den grossen Durchbruch schaffte Spider-Man hierzulande erst mit dem Kinofilm von 2002. In den letzten 15 Jahren gab es satte 5 Kinofilme, dazu kam noch sein Kurzauftritt beim letzten Abenteuer von Captain America.

Am Donnerstag kommt nun der sechste Spider-Man-Film mit dem dritten Spider-Man-Darsteller in die Schweizer Kinos. Braucht die Welt nun wirklich schon wieder einen neuen Film über einen altbekannten maskierten Helden? Eigentlich nicht. Dennoch: «Spider-Man: Homecoming» macht Spass.

Zum ersten Mal ist ein Spider-Man-Film ganz ins Universum der Marvel-Helden eingebettet. Teenager Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) wird von Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) rekrutiert. Pro forma arbeitet er als Teilzeittrainee in Starks Firma, in Tat und Wahrheit geht es um ein Superheldenpraktikum bei den Avengers.

Der übereifrige Peter versucht, seine Spinnenkräfte in seiner Freizeit für Gutes einzusetzen. Er wirft sich in seinen rot-blauen Anzug, um Fahrraddiebe zu schnappen oder älteren Frauen den Weg zu weisen. Als er gerade einen Waffendeal verhindern will, kommt ihm der Bösewicht Vulture (Michael Keaton) in die Quere und versenkt den Teenager kurzerhand im Fluss. Doch Spider-Man lässt sich natürlich nicht so leicht unterkriegen.

Das Strickmuster der Geschich­te ist genau dasselbe wie bei den Vorgängern. Der Held kostet seine neuen Fähigkeiten aus, übertreibt es dann etwas, besteht aber schliesslich den Charaktertest und findet rechtzeitig auf den Pfad der Tugend und zu seinen Wurzeln zurück.

So gesehen bietet der sechste Spider-Man-Film erschreckend wenig Innovation. Doch das altbackene Muster wird so rasant und witzig erzählt, dazu noch lustvoll bis grandios gespielt, dass sich der Zuschauer dem Charme des Films nicht entziehen kann. Das liegt vor allem an den Darstellern. Der neue Spider-Man Tom Holland ist frecher, jünger, einfach echter als seine Vor­gänger. Er schafft den Spagat zwischen Highschool-Loser und Superheld einzigartig sympathisch. Michael Keaton – von Batman zu Birdman zu Vulture – ist grundsätzlich immer grossartig. Sein Bösewicht ist gleichermassen furchteinflössend wie menschlich. Viele Nebendarsteller (Marisa Tomei, Bokeem Woodbine, Jon Favreau) wissen trotz kurzer Leinwandpräsenz nachhaltig zu beeindrucken.

Und die Action? Die überzeugt. Besonders bildgewaltig sind die heldenhaften Einsätze beim Washington Monument und auf der Fähre nach Staten Island. Ausserdem ist das Abenteuer gespickt mit Selbstironie und Selbstreflexionen. Die Gastauftritte von Iron Man und Captain America, der Batman- Seitenhieb mit der «Interrogationsstimme», der übliche Cameo von Comic-Autor Stan Lee, die zwei (!) Clips beim Abspann – Fans werden bei «Spider-Man: Homecoming» mit allerlei liebenswürdigem Insider-Schnickschnack verwöhnt. Kurz: Der Film hat alles, was ein Sommer-Blockbuster braucht.

Übrigens: Den Spider-Man-Teppich im Kinderzimmer mussten wir zusammenrollen. Die Augen seien «gfürchig», sagte damals unser Sohn. Doch jetzt, mit 4 Jahren, trägt er voller Stolz sein allererstes Spider-Man-T-Shirt. Er will es gar nicht mehr aus­ziehen.

Redaktor Ralph Heiniger verfolgt «Spider-Man» in Comics und in Filmen schon seit über 30 Jahren.

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