Wenn der Onkel mit der Nichte

Im Familiendrama «Gifted» kämpfen eine Grossmutter und ein unambitionierter Onkel um ein hoch begabtes Mädchen. Wer gewinnt?

Nuanciertes Spiel: Mckenna Grace und Chris Evans im Film «Gifted».

Nuanciertes Spiel: Mckenna Grace und Chris Evans im Film «Gifted».

(Bild: zvg)

Nach dem ersten Schultag von Mary (Mckenna Grace) sagt die Lehrerin, das Kind sei hoch begabt und gehöre an eine spezielle Schule. Was sonst, wenn eine ­Siebenjährige krumme Quadratwurzeln im Kopf ausrechnet und den Abschwung im Euroraum für unausweichlich erklärt?

Onkel Frank (Chris Evans) wünscht sich für seine Nichte jedoch ein normales Kinderleben ohne Erwartungsdruck. Damit sie sich nicht jung umbringt wie einst ihre Mutter, eine geniale Mathematikerin. Dann allerdings taucht die förderwütige Grossmutter Evelyn (Lindsay Duncan) auf, fährt mit dem Mädchen an eine Eliteuni und strengt eine Sorgerechtsklage an.

Durchgehend berührend

Diese Handlung erinnert an «Little Man Tate» (1991) von und mit Jodie Foster als überforderter Kellnerinnenmutter. Dagegen ist schwer anzukommen. Trotzdem schafft Drehbuchautor Tom Flynn mit diesem Herzensprojekt einen berührenden Film, Regisseur Marc Webb («(500) Days of Summer», «The Amazing Spider-Man») gelingt eine sensible Gefühlschoreografie.

Auch das Spiel ist durchgehend nuanciert, vom rastlosen Kind bis zur loyalen Nachbarin (Oscar­gewinnerin Octavia Spencer). Da stören nur wenige Schwächen das Bild. Zum einen ist es seltsam, wie Frank am Ende eine Auflösung aus dem Hut zaubert, die er die ganze Zeit mit sich getragen hat. Zum anderen springen bis zum Happy End alle nach eigenem Gutdünken mit dem Kind um, ­ohne dessen Wünsche ernst zu nehmen. Ausser der herzens­guten Nachbarin, aber auf sie hört ja niemand.

Im Zentrum: Die Familie

Das alles ist in «Gifted» nicht nur ernst, sondern durch die Dialoge und Einfälle des Kinds auch witzig. So fiebert man umso mehr mit, ob das hinreissend eigen­sinnige Mädchen und der etwas sehr schweigsame Onkel eine Familie bleiben dürfen. Wobei man seine Sympathien auf mehrere Figuren verteilt.

«Gifted»: Der Film läuft im Kino.

sda

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