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Werbefuzzi stürzt Diktator

«No» mit Weltstar Gael García Bernal war das gestrige Highlight auf der Piazza Grande. Darin hilft ein politisch unbedarfter Werber unabsichtlich, das Schreckensregime von General Pinochet zu beenden.

Die Verleihung des Exellence Award für Gael García Bernal in Locarno (8.7.2012)
Die Verleihung des Exellence Award für Gael García Bernal in Locarno (8.7.2012)
Agnieszka Obuchowicz
Gael García Bernal war in Locarno im Film «No» zu sehen.
Gael García Bernal war in Locarno im Film «No» zu sehen.
Agnieszka Obuchowicz
Bernal in «Casa de mi padre» (2012).
Bernal in «Casa de mi padre» (2012).
Screenshot Imdb.com
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Der Werber René Saavedra (Gael García Bernal) verkauft alles, vom Erfrischungsgetränk bis zur Mikrowelle, mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft für Chile. Als er von einer Gruppe von Demokraten angestellt wird, um wirklich etwas für Chile zu tun – nämlich durch die Beendigung der Diktatur Pinochets – ist er zunächst hilflos.

Demokratie und Diktatur

Obwohl sein Vater ein berühmter Dissident ist und seine von ihm getrennt lebende Frau eine glühende Anti-Pinochet-Aktivistin, kennt Saavedra nicht einmal den Unterschied zwischen Kommunismus und Sozialismus. An der geplanten «No»-Kampagne stört ihn nur, dass sie «nicht lustig» ist. Hintergrund ist ein 1988 von Pinochet auf internationalen Druck anberaumtes Referendum, bei dem darüber abgestimmt wurde, ob der Diktator seine 16-jährige Schreckensherrschaft um eine weitere Amtsperiode verlängern soll.

Um den «demokratischen» Anschein zu wahren, erhalten Gegner wie Befürworter täglich 15 TV-Minuten im Staatsfernsehen für eine Kampagne – mitten in der Nacht, damit es ja niemand sieht. Die Schikanen für die Gegner sind auch sonst erheblich: Saavedra und seine Compadres werden beschattet, bedroht und müssen konspirativ vorgehen. PR-Mann Saavedra muss sich ausserdem gegen die Absicht der Geldgeber durchsetzen, die Pinochets Untaten – Folter, Verschleppung, 3000 getötete Regimegegner – zu Werbespots verarbeitet sehen wollen. Saavedra bevorzugt dagegen Musik, Tanz und Gückseligkeitsversprechen im Coca-Cola-Stil.

Spannend und pointenreich

Hier nimmt der Film, der zu Beginn eher bedrückend wirkt, dank humoristischem Rückenwind Fahrt auf: Die fetzigen «No»-Spots entfalten Wirkung, worauf die «Si»-Werber mit ähnlichen Mitteln ins Pingpong-Spiel einsteigen. Obwohl man das historische Ende kennt, ist der Ausgang spannend. Dass Saavedra nicht wie üblich als besserer Mensch aus dem Drama hervorgeht, sondern selbst als Katalysator eines weltbewegenden Geschehens der alte Simpel bleibt, ist eine hübsche Pointe. Wir sehen ihn am Schluss weiter mit der besseren Zukunft Chiles werben – für eine TV-Kuppelshow.

Mit «No» schliesst der chilenische Regisseur Pablo Larrain nach «Tony Manero» und «Post Mortem» seine Pinochet-Trilogie ab. Der Film ist vorerst in der Deutschschweiz nicht programmiert, wird aber vermutlich in Arthouse-Kinos zu sehen sein. Pflichtstoff nicht nur für Freunde des politischen Films und Anhänger von «Babel»- und «Chevolution»-Star Bernal. «No» gehört in den Lehrplan jeder PR-Ausbildung, um zu zeigen, dass Werbung auch Gutes bewirken kann.

SDA

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