Will Smith flirtet mit Scientology

Er bestreitet, ein Scientology-Anhänger zu sein. Will Smith' neuer Film «After Earth» jedoch atmet den Geist von Sektengründer Ron Hubbard.

Offiziell kein Scientologe: Will Smith bei der Filmpremiere zu «After Earth» in Tokio.

Offiziell kein Scientologe: Will Smith bei der Filmpremiere zu «After Earth» in Tokio.

(Bild: Keystone)

Hugo Stamm@HugoStamm

Die Filmwelt rätselt seit Jahren: Ist er Scientologe oder doch nicht? Nein, bin ich nicht, beteuert der Schauspieler Will Smith stereotyp. Doch dann produzierte er den Film «After Earth», und man wird den Eindruck nicht los: Er ist es doch. Denn der soeben angelaufene Streifen atmet den Geist von Ron Hubbard, dem Gründer der Sekte.

Es ist zumindest ein bombastischer Flirt mit Scientology, dokumentiert auf Tausenden von Leinwänden. Wer Augen hat – und wie Will Smith Scientology kennt –, kann sich dieses Eindrucks kaum erwehren. Doch Will Smith will es nicht zugeben. Hallo, möchte man ihn fragen: Warum dieses Versteckspiel?

Schlecht fürs Geschäft

Neu ist der Eiertanz freilich nicht. Wir kennen ihn von andern Promis. Der österreichische Maler Gottfried Helnwein zierte sich, US-Filmstar John Travolta hielt sich einst bedeckt, um nur zwei Beispiele zu nennen. Denn sie alle wissen: Wird ihr Name mit einer Sekte assoziiert, ist es schlecht für den Ruf und das Geschäft.

Der 44-jährige Will Smith hat seit längerem Verbindungen zu Scientology. Schon 2007 hat er ScientologyStiftungen mehr als 100 000 Dollar gespendet, 2009 in Kalifornien eine Privatschule eröffnet, die mit den Methoden von Hubbard unterrichtet. Seine Kinder besuchten diese Schule wie auch Suri, die Tochter von Scientologe Tom Cruise, mit dem Will Smith eng befreundet ist.

Das Böse ist allgegenwärtig

Der Scientology-Groove im Film beginnt beim Plakattitel: «Die Gefahr ist echt. Aber die Angst ist eine Entscheidung.» Und er endet mit den Schlusseinstellungen auf einem Vulkan, der einem Symbol von Scientology gleicht. Die Aussage im Titel gibt das Grundmotto von Hubbard wieder: Das Böse ist allgegenwärtig und treibt die Erde in den Abgrund. Retten kann sie nur, wer keine Angst hat und Herr über Materie, Energie, Raum und Zeit ist. Hubbards Credo an seine Anhänger: Rettet die Welt furchtlos vor dem Untergang.

Im Film «After Earth» ist sie schon vor 1000 Jahren untergegangen, die Menschen mussten auf einen fernen Planeten fliehen. Dort gibt es Ursas, vierbeinige Monster, die zwar blind sind, aber die Angst der Menschen riechen. Immun ist nur Cypher Raige (Will Smith), weil er seine Gefühle total unter Kontrolle hat – und somit den Idealzustand eines Scientologen erreicht. Sein Sohn, gespielt von Smith’ Sohn Jaden, verströmt aber den tödlichen Angstgeruch.

Beim Absturz eines Raumschiffs überleben nur der Vater und sein Sohn. Da Will Smith verletzt ist, muss sich sein Sohn durch die Gefahrenzonen schlagen. Der Vater lehrt ihn, die Angst zu kontrollieren. Ähnlich, wie es die Scientologen beim Auditing tun. Schliesslich besteht er die Prüfungen.

Keine Scientology-Propaganda

Deutsche und US-Medien sind sich einig, dass der Film Scientology-Ideen transportiert. Einig sind sich die Filmkritiker auch, dass es höchstens ein durchschnittlicher Film ist. Er erinnert an den von John Travolta produzierten Film «Battlefield Earth» nach dem gleichnamigen Buch von Hubbard, der bei den Kritikern und beim Publikum keine Gnade fand.

«After Earth» ist aber keine Propaganda für Scientology, wie viele behaupten. Am Film lässt sich auch nicht ablesen, welchen Status Smith bei der Sekte hat. Der Streifen macht jedoch deutlich, dass der Schauspieler von Scientology-Ideen fasziniert ist. Mehr noch: Smith scheint in seinem Enthusiasmus nicht zu realisieren, dass sein Film wie eine Hommage an Science-Fiction-Autor Hubbard und Scientology daherkommt.

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt