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Zu schnell fürs Leben

Frauen lagen ihm zu Füssen, Männer kopierten seinen Stil. Heute wäre James Dean, der 1955 mit seinem Porsche in den Tod raste, 80 Jahre alt geworden.

Sturmfrisur, Jeans und aufgeknöpftes Hemd: Dean verkörperte den «Halbstarken».
Sturmfrisur, Jeans und aufgeknöpftes Hemd: Dean verkörperte den «Halbstarken».
Keystone
James Dean in «East of Eden» («Jenseits von Eden»), 1955.
James Dean in «East of Eden» («Jenseits von Eden»), 1955.
Keystone
James Dean mit dem Schweizer Bond-Girl Ursula Andress.
James Dean mit dem Schweizer Bond-Girl Ursula Andress.
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Früher oder später wäre er sowieso an Alkohol, Drogen und Disziplinlosigkeit zugrunde gegangen, lästerte Hollywood-Skandalchronist Kenneth Anger über Filmikone James Dean. Doch durch seinen Unfalltod mit 140 kmh auf einem kalifornischen Highway wurde der Schauspieler mit nur 24 Jahren zum Idol einer neuen Jugendkultur. Am 8. Februar wäre der ewige «zornige junge Mann», um den immer noch ein bizarrer Kult getrieben wird, 80 Jahre alt geworden.

Mit nur drei Kinofilmen erspielte sich James Dean einen Platz im Filmolymp. Bei der Verfilmung des Steinbeck-Romans «Jenseits von Eden» von 1954, in dem er als sensibel-unangepasster Sohn um die Liebe seines harten Vaters ringt, hatte er sich bereits als grosses Talent erwiesen. Das Filmstudio war dabei, den ungebärdigen, aber vielversprechenden Jungschauspieler zum Star aufzubauen, als James Dean am 30. September 1955 mit seinem neuen Porsche mit 140 km/h verunglückte. Eine bessere PR-Massnahme lässt sich kaum denken: Der Tote wurde zum Gegenstand hysterischer Verehrung.

Schmollendes Idol aller Berufsjugendlichen

Nach seinem Tod wurden über ein Jahr lang die Aufführungen des Jugenddramas «...Denn sie wissen nicht, was sie tun», das auf einer soziologischen Studie basierte, und des texanischen Familienepos «Giganten» hinausgezögert. Postum bekam das neue Idol zwei Oscarnominierungen, doch damit ging das Theater um den schönen Raser erst richtig los. Wie kein anderer verkörperte Dean mit seiner Sturmfrisur und mit seiner coolen Kluft aus Jeans, T-Shirt und Nylonjacke den «Rowdy» oder «Halbstarken», wie es damals hiess: einen Nachkriegsjugendlichen, der gegen spiessige Regeln und deren Vertreter, die autoritären Väter, anpampte.

Auch James Dean, 1931 als Sohn eines Zahntechnikers und einer künstlerisch ambitionierten Mutter geboren und auf einer Farm aufgewachsen, hatte mit seinem Erzeuger Streit, als er beschloss, den Schauspielerberuf zu ergreifen. Seinem Vater zu Gefallen studierte er zunächst Jura und belegte nebenbei Schauspielkurse. Nach ersten Rollen am Broadway und als Komparse beim Fernsehen wurde er von Regisseur Elia Kazan entdeckt. Einer seiner Freunde war Marlon Brando, der in dem wilden Jungstar, der sich mit seiner ersten Gage einen Sportwagen kaufte und Rennen fuhr, einen Seelenverwandten erkannte.

Fotogener Rebell mit waidwunder Pose

Deans kurze Karriere fiel in jene aufregende Zeit, in der Bill Haley und Elvis Presley mit Rock 'n' Roll und rotierenden Hüften die «Backfische» in den USA und bald auch in Europa elektrisierten. Dean liess nichts anbrennen, trat mit Kippe im Mundwinkel als Playboy auf, brachte Regisseure zur Weissglut und verfiel fotogen in Schwermut, als seine vermeintliche grosse Liebe, die Schauspielerin Pier Angeli, einen seriöseren Mann heiratete. Dass dem niedlichen Trotzkopf schon zu Lebzeiten Männeraffären nachgesagt wurden, hat seinen Ruhm übrigens nie beeinträchtigt.

John Lennon bekundete, dass es die Beatles ohne James Dean nicht gäbe. Und in David Cronenbergs Film «Crash» (1996) stellen Autofetischisten Deans im Grunde banalen Verkehrsunfall mit seinem silberfarbenen 550 Spyder nach. Die Pose des unverstandenen, androgynen Rebellen mit waidwundem Blick – hervorgerufen durch Deans Kurzsichtigkeit – wirkte nicht nur auf Popstars stilbildend. Der Unsterbliche, dessen Rollen heute arg wehleidig wirken – «wie ein schmollender Junge, dem man sein Spielzeug weggenommen hat», spottete Poptheoretiker Diedrich Diederichsen –, ist der erste Prototyp jener Berufsjugendlichen, die seither nicht nur die Leinwände bevölkern.

dpa/jos

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