Zum Glück fehlt das Geld der anderen

In der «Tatort»-Folge «Borowski und das Glück der anderen» verwandelte sich Verheissung in traurige Gewalt.

Kommissar Borowski im Zwiegespräch mit der Mörderin.

Kommissar Borowski im Zwiegespräch mit der Mörderin.

(Bild: Das Erste)

Guido Kalberer@tagesanzeiger

Für einmal ging es beim «Tatort» weniger um die Tat als um den Ort, der gleich zu Beginn aus der Vogelperspektive herangezoomt wurde: auf der einen Strassenseite, leicht erhöht, eine norddeutsch-kühle, ansehnliche Backstein-Immobilie, auf der anderen ein bescheidenes Häuschen, in dem ein Paar wohnt, dessen Beziehung schon etwas in die Jahre gekommen ist.

Beziehungstechnisch jedenfalls haben der in jeder Hinsicht zupackende Elektrosanitär und die Kassierin in einem Supermarkt auch schon bessere Zeiten gesehen. Während er sich vorsichtshalber schon mal anderweitig umgesehen und verguckt hat, leidet sie unter Neid und quälender Missgunst. Von der Küche aus blickt sie ins Wohnzimmer der Champagner trinkenden Nachbarn, die offensichtlich nicht nur Geld, sondern auch gleich das ganze Glück gepachtet haben.

Das zumindest bildet sich Peggy Stresemann (Katrin Wichmann) in ihrem die Realität zunehmend verzerrenden Wahn ein. Sie dringt ins Nachbarhaus ein, um einen Lottoschein über 14 Millionen Euro zu suchen, den sie dort vermutet. Als Thomas Dell, der als Dolmetscher arbeitende Eigentümer, sie beim Stöbern überrascht und dann verbal erniedrigt, erschiesst sie ihn mit dessen Pistole. Zurück bleibt eine von sieben Kugeln verunstaltete Leiche, eine von Blut verschmierte gelbe Tapete – und eine Ehefrau, die in ihrem schweigenden Leid noch eisiger wirkt, als sie ohnehin schon aussieht.

«Mir fehlt zum Glück die Frau»

Danach allerdings spult der Kriminalfilm das Beziehungs- und Psychodrama routiniert und absehbar ab: mit einigen Längen, aber wenigen schauspielerischen Glanzleistungen. Am Ende hat man fast ein wenig Mitleid mit der von Neid zerfressenen, allzu forciert tölpelhaften Kassiererin (zu mehr Emotionen reicht es aber nicht): Zum völlig sinnlosen Mord hinzu kommt die bittere Pille, dass ihr Mann mit ihrer besten Freundin – und dem angesparten Kapital – im Intercity das Weite sucht.

Mann weg, Geld weg – und anstatt das Glück wartet auf sie das Gefängnis. Den besten, weil doppeldeutigen Satz in «Borowski und das Glück der anderen» darf Axel Milberg sprechen: «Mir fehlt zum Glück die Frau.»

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