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Als Clinton die Welt und sein Saxofon im Griff hatte

Wenn Mächtige Musik machen: Zum Auftakt des Lucerne Festival – eine Auswahl von Videos.

Susanne Kübler
Bill Clinton bestritt seinen Wahlkampf 1992 einst auch mit dem Saxofon – hier in Green Bay, Wisconsin. Foto: Getty Images
Bill Clinton bestritt seinen Wahlkampf 1992 einst auch mit dem Saxofon – hier in Green Bay, Wisconsin. Foto: Getty Images

Heute Abend beginnt das Lucerne Festival, das diesen Sommer unter dem Motto «Macht» steht. Im Programm finden sich Werke, die für Mächtige entstanden sind – oder deren Komponisten der Macht trotzten. Es wird auch Musik zu hören sein, die ihre ganz eigene Macht auf das Publikum ausübt. Und natürlich werden viele grosse, also mächtige Namen aus dem Musikbetrieb auftauchen.

Was dagegen fehlt, sind die musizierenden Machthaber, von denen es im Laufe der Geschichte nicht wenige gab. Wobei sie unterschiedlich begabt waren respektive sind, wie die folgende Auswahl zeigt.

Ein richtiger Präsident kann alles, auch Klavier spielen und singen. Jedenfalls, wenn er Wladimir Putin heisst. Klar, an seiner Klaviertechnik gäbe es schon noch einiges zu verbessern, insbesondere beim Einsatz der linken Hand. Auch als Sänger ist er ziemlich heftig angewiesen auf den Chor. Aber die Zuhörer (unter ihnen der Schauspieler Gérard Depardieu) sind begeistert. Und das Repertoire ist originell: Ausgerechnet «Blueberry Hill», ein amerikanischer Song, der in der Version von Fats Domino berühmt wurde.

Putin war durchaus nicht der erste singende Präsident Russlands, auch von Michail Gorbatschow sind diverse Auftritte dokumentiert. Und ja: Seine Stimme hat etwas.

Auch in den USA haben sich die Mächtigen immer wieder musikalisch profiliert. Gründervater Benjamin Franklin (1706–1790) gilt als Erfinder der Glasharmonika. Harry S. Truman (1884–1972) spielte Klavier. Und Richard Nixon (1913–1994) präsentierte einst im Fernsehen ein eigenes Klavierkonzert. Die Komposition ist zwar nicht sonderlich komplex, aber durchaus gefällig; und dass Nixon einst fleissig geübt hatte für die Klavierstunde, ist nicht zu überhören.

Und dann war da Bill Clinton mit seinem Saxofon, das schon in seinem Wahlkampf eine wichtige Rolle spielte – und später sein beliebtestes Accessoire blieb. Entspannt spielt er in diesem Video, die Sonnenbrille passt. Da zeigt einer, dass er neben der Welt auch die Töne im Griff hat: Selten haben Musik und Macht so stimmig zusammengefunden wie bei diesem US-Präsidenten.

Clintons Nachfolger George W. Bush ist in kultureller Hinsicht ja vor allem als Porträt-Maler in Erscheinung getreten. Aber zumindest einmal hat auch er gesungen. 2008 war das, gegen Ende seiner Amtszeit, und das Publikum im Washingtoner Gridiron Night Club hat sich prächtig amüsiert über seine Version von «Green, Green Grass».

Im Vergleich zu ihren amerikanischen Kollegen sind die Schweizer Bundesräte zurückhaltender, was musikalische Auftritte angeht. Manchmal erwischt man sie beim Mitsingen der Nationalhymne, viel mehr ist da nicht. Aber es gibt Ausnahmen: Simonetta Sommaruga natürlich, die ursprünglich Pianistin war; oder Alain Berset, der ebenfalls bemerkenswert locker Klavier spielt. Dass die beiden auch vierhändig können, haben sie 2013 bei einem SP-Anlass vorgeführt.

Didier Burkhalter dagegen singt lieber: 2012 hat er sich nicht nur als Fan von Bruce Springsteen geoutet, sondern sich auch neben Bastian Baker ans Mikrofon gewagt. Dabei hat er seine Fähigkeiten durchaus realistisch eingeschätzt – und die Melodie mit der einem Bundespräsidenten angemessenen Souveränität nach unten oktaviert, wo es nötig war.

Der englische Premier Boris Johnson blufft da schon eher. Nach seinem Auftritt mit Misha B. ist man nicht sicher, ob er wirklich Gitarre spielen kann. Dass er weiss, wie man eine Gitarre hält: Das zumindest steht fest.

Als Medienmogul wie auch als Politiker hat Silvio Berlusconi stets auf seine Qualitäten als Entertainer gesetzt. Er hat sie, unbestritten: Schon in den 1960ern hatte er sein Publikum auf Kreuzfahrtschiffen und in Nachtclubs bezirzt. Hier, in diesem Video aus dem Jahr 2005, singt er für seinen Parteinachwuchs - auf französisch und mit einer nonchalanten Siegesgewissheit, die ihm als Politiker inzwischen abhanden gekommen ist.

Vom musikalisch wohl begabtesten aller Machthaber gibt es leider kein Video: Friedrich der Grosse (1712–1786) war ein ebenso talentierter wie ehrgeiziger Flötist. Auch komponiert hat er, etwa die hier von Emmanuel Pahud gespielte Flötensonate, wobei nicht ganz klar ist, wie sehr sein Lehrer Johann Joachim Quantz seine Werke beeinflusst oder auch überarbeitet hat. In die Musikgeschichte eingegangen ist Friedrich der Grosse auch als Erfinder jenes Themas, über das Johann Sebastian Bach dann das «Musikalische Opfer» komponiert hat.

Auch Condoleezza Rice hat Talent: Sie wollte einst Konzertpianistin werden, hat dann aber als amerikanische Aussenministerin Karriere gemacht und die Musik nur noch als Hobby betrieben. Das allerdings durchaus ernsthaft, wie ihr Auftritt vor der englischen Königin Elizabeth II. zeigt.

Der letzte Ton in dieser Liste gehört Barack Obama, der sich immer wieder als Sänger bewährt hat. Dass er sogar singen kann, wenn er es gar nicht tut, zeigt dieses Video: Da wurde aus allen möglichen Reden der Text von «Call Me Maybe» zusammengeschnitten. Und ja: Es klingt wirklich musikalisch.

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