Ausnahmemusiker Previn ist tot

Er feierte riesige Erfolge als Komponist, Dirigent und Pianist. Jetzt ist André Previn im Alter von 89 Jahren gestorben.

Zu Gast in Luzern: André Previn als Dirigent Osloer Orchester in Luzern. (1. September 2004)

Zu Gast in Luzern: André Previn als Dirigent Osloer Orchester in Luzern. (1. September 2004)

(Bild: Keystone Urs Flüeler)

Vier Oscars, zehn Grammys, unzählige verkaufte Alben und fünf gescheiterte Ehen: Das Leben des Ausnahmemusikers André Previn verlief turbulent und zumindest beruflich höchst erfolgreich. Nach einer jahrzehntelangen Karriere im Rampenlicht hatte sich der Pianist, Komponist und Dirigent zuletzt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am Donnerstag starb Previn im Alter von 89 Jahren in seinem Zuhause in New York, wie seine Managerin Linda Petrikova der «New York Times» bestätigte.

Geboren wurde Previn 1929 als Andreas Ludwig Priwin in Berlin, aber schon bald nach seiner Geburt musste er mit seiner jüdischen Familie vor den Nazis flüchten. «Ich habe erst spät realisiert, dass mein Vater wirklich ein Held war. Er hat Deutschland verlassen, hatte kein Geld, hat die Sprache nicht gesprochen und hat es trotzdem geschafft, uns durchzubringen. Aber wir sind nicht sehr gut miteinander klar gekommen», sagte Previn einst dem «Guardian».

Über Paris gelangte die Familie in die USA, wo Previn bald sein musikalischen Talent entdeckte. Schon mit 15 gab er ein Jazzkonzert in der Philharmonie von Los Angeles und zählte bald zu den hochkarätigen Jazzern der US-Szene. Regelmässig stand er mit Grössen wie Benny Goodman, Dizzy Gillespie, Benny Carter oder Billie Holiday auf der Bühne.

«Mit dem Talent spielen»

In den 1940er Jahren bekam Previn, der inzwischen US-Staatsbürger geworden war, einen Vertrag als Hollywood-Musiker beim Studio Metro Goldwyn Meyer. Die erste Filmmusik schrieb er für eine Folge der Serie «Lassie». Für die Filme «Gigi», «My Fair Lady», «Porgy and Bess» sowie «Irma la Douce» heimste er jeweils einen Oscar für die beste Filmmusik ein. Trotz des Erfolgs wandte er der Traumfabrik nach 16 Jahren schlagartig den Rücken. «Ich wollte mit dem Talent spielen, das ich hatte.»

Previn widmete sich der klassischen Musik. Er lernte das Dirigieren, übernahm 1967 das Houston Symphony Orchestra und wurde nach nur drei Jahren als Nachfolger von Claudio Abbado als Chefdirigent und Musikdirektor an die Spitze des London Symphony Orchestra berufen. Es folgten Kooperationen mit so gut wie allen grossen Orchestern der Welt. Zudem galt er als einer der weltweit wichtigsten zeitgenössischen Komponisten. Neben seinen Grammys wurde er 2011 mit dem Grossen Verdienstkreuz mit Stern und damit einem der höchsten deutschen Orden ausgezeichnet.

Privat mehr Tiefen als Höhen

Privat erlebte der leidenschaftliche Kunstsammler währenddessen mehr Tiefen als Höhen. Beruflich bereue er nichts in seinem Leben, sagte Previn einmal. «Privat ja. Ich habe einige ziemlich schlechte Entscheidungen in meinem Privatleben getroffen.» Fünf Ehen scheiterten, neun Kinder und Adoptivkinder blieben aus den Verbindungen.

Von 1970 bis 1979 war Previn mit der Hollywood-Schauspielerin Mia Farrow verheiratet. Die gemeinsame Adoptivtochter Soon-Yi ist inzwischen Ehefrau von Filmemacher Woody Allen, nachdem zuvor Farrow selbst mit dem Regisseur zusammen war. Farrow und Previn blieben allerdings «beste Freunde», wie er immer wieder betonte. Auch mit der 34 Jahre jüngeren Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter, mit der Previn von 2002 bis 2006 verheiratet war, blieb er auch nach dem Scheitern der Ehe befreundet.

fal/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt