Blaue Büffel, schwarzes Lachen

Die Gedichte des Rumänen Georg Scherg sind so wild wie poetisch. Nun wurden sie vertont.

Sie liebt zeitgenössische Klänge und rumänische Volksmusik: Die Sängerin Irina Ungureanu. Foto: PD

Sie liebt zeitgenössische Klänge und rumänische Volksmusik: Die Sängerin Irina Ungureanu. Foto: PD

Susanne Kübler@tagesanzeiger

Für eine Uraufführung hatte man sich in den Zürcher Kunstraum Walcheturm gesetzt. Siebzig Minuten später stand man wieder auf – mit dem Gefühl, eine Herde blauer Büffel sei einem durch den Kopf getrampelt. Was war das?

Es war, erst einmal, ein originelles Projekt. Die Sängerin Irina Ungureanu hat es angeregt, weil sie ihre Leidenschaft für zeitgenössische Klänge mit jener für die rumänische Volksmusik verbinden wollte. Und der Komponist und Kontrabassist Dominique Girod hat es unter dem Titel «Die Nacht der blauen Büffel» umgesetzt: indem er Gedichte des Rumänen Georg Scherg vertonte und mit Improvisationen über traditionelle rumänische Lieder koppelte.

Es war, zum Zweiten, eine akustische Zumutung. Der Kunstraum Walcheturm ist zu klein und zu niedrig für eine Musik, die Schergs wilder Sprachkunst gerecht werden will. Was laut ist, wirkt hier rasch einmal zu laut, und sobald die Strukturen eine gewisse Dichte erreichen, hört man nichts mehr von ihnen. Am fassbarsten blieben damit ausgerechnet jene Stücke, in denen Girod letztlich kapituliert hat vor Schergs Texten über Piranda, die Frau mit den schwarzen Augen und dem schwarzen Lachen; in denen er sie rezitieren liess, frei oder im Sprechgesang, solistisch oder kollektiv. Die Instrumente lieferten da nur noch den üppigen oder kargen Rahmen dazu.

Wirklich grossartig waren die entfesselten Improvisationen über rumänische Volksmusik.

Anderes lässt sich nur im Konjunktiv würdigen. Girods stilistische Grenzgänge zwischen Madrigal und Jazz, Chanson und pulsierendem Lärm kämen anderswo ganz anders zur Geltung. Die vokalen und instrumentalen Fähigkeiten der drei Ensembles (Ensemble Grünes Blatt, Vokalensemble Zürich und Ensemble für Neue Musik Zürich), die sich hier unter der Leitung von Peter Siegwart verbündeten, ebenfalls.

Aber zurück in den Indikativ. Denn es gab sie, die grandiosen Momente, der Akustik zum Trotz. In den entfesselten Improvisationen über rumänische Volkslieder vor allem, in denen Irina Ungureanu ihrer phänomenalen Stimme freien Lauf liess. Und auch in Girods leisen Liedern, in denen die Sängerin sich ins Innerste des Klangs zurückzog – bis die blauen Büffel sich wie in einem Traum verflüchtigten.

Wiederholung im Kunstraum Walcheturm, heute Mittwoch, 21. Uhr. Weitere Termine in Luzern, Chur, Freiburg: www.ensemble.ch

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