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Ein bisschen Wien

Der Versuch, das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zu imitieren, wäre «töricht», sagt Dirigent Mario Venzago am Neujahrskonzert des Berner Symphonieorchesters. Sein Programm geht andere Wege.

Ganz ohne Wiener Walzer zieht der Abend im Berner Kursaal dann doch nicht vorüber: BSO-Chefdirigent Mario Venzago (Archivbild/Tanja Buchser)
Ganz ohne Wiener Walzer zieht der Abend im Berner Kursaal dann doch nicht vorüber: BSO-Chefdirigent Mario Venzago (Archivbild/Tanja Buchser)

Das Programm des Neujahrskonzerts des Berner Symphonieorchesters (BSO) vereint Vielgehörtes mit Neuem und scheut dabei keine Kontroversen. Da trifft die italienische auf die ihrerzeit konkurrierende französische Operntradition; da erklingt nach Musik des jüdischen Komponisten George Gershwin solche des nationalsozialistischen Komponisten Florent Schmitt.

Die Programmierung überzeugt, und dies nicht zuletzt weil Venzago nicht nur als Dirigent, sondern auch als galanter Showmaster mit kompetenten Erläuterungen und Anekdoten durch den Abend führt.

Auf einer Saite

Ungehört ist bis zu diesem Abend nicht nur die eigens von Venzago arrangierte Orchestersuite aus Glucks Oper «Armide», die das Konzert eröffnet; es stehen auch zwei Neubearbeitungen für Violoncello und Orchester auf dem Programm.

Der Solist des Abends, Maximilian Hornung, lässt sich noch vor dem Anstimmen seines Cellos nonchalant von Entertainer Venzago in ein Schwätzchen verwickeln. Ebenso beschwingt sorgt er dann musikalisch zweifellos für einen Höhepunkt des Konzertabends: Mit Leichtigkeit bewegt sich Hornung durch die «Variazioni di bravura» von Paganini, die notabene für das Spiel auf nur einer einzigen Saite seines Instruments geschrieben sind. Fliegende Wechsel zwischen den Lagen und virtuose Läufe gelingen ihm spielend, sodass auch für eine rege Kommunikation mit Dirigent und Orchester reichlich Platz bleibt.

Dem BSO gelingt es aufmerksam und ohne Anstrengung, die wunderbar eigenwillige agogische Gestaltung des Solisten zu tragen.

Auch in der zweiten Konzerthälfte – oder man möchte fast sagen Showhälfte – steht Neues auf dem Programm: Das zur Grossbesetzung angewachsene Orchester gibt schweizweit zum ersten Mal die ungekürzte Originalfassung von Gershwins «An ­American in Paris» zum Besten. Die Fassung gefällt, insbesondere in der dynamischen und fein timbrierten Umsetzung des BSO.

Walzerfragmente

Und zu guter Letzt kommt er dann eben doch noch, der Wiener Walzer. Dies aber nicht etwa in Strauss’scher Manier, sondern in später entstandenen, scherzhaften Adaptionen von Schmitt und Ravel. In den reich instrumentierten Werken läuft das Orchester sowohl im grossen Tutti als auch in den solistischen Stellen nochmals zu mitreissender Höchstform auf.

Immer wieder wähnt man sich an Fragmente von bekannten Walzern erinnert. Töricht wäre es jedoch, in diesem Konzertprogramm nach dem vermeintlichen Original zu suchen.

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