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Ein Rausch ohne Nachwehen

Am Freitag und am Samstag findet in der Dampfzentrale mit «Cocktail Op. 1» das Saisoneröffnungsfest der Camerata Bern statt. Es soll ein grosser Rausch werden, erzählen die künstlerische Leiterin Patricia Kopatchinskaja.

Die Noten mussten mit: Patricia Kopatchinskaja.
Die Noten mussten mit: Patricia Kopatchinskaja.
Adrian Moser

Wenn die Probenarbeit so intensiv läuft, dass man den Interviewtermin vergisst, kommt das einem Rausch wohl nahe. Patricia Kopatchinskaja und Thomas Kaufmann erscheinen verspätet, die Noten des soeben geprobten Stücks gleich mit unter den Arm geklemmt. Sie hätten nur wenig Zeit, so die beiden, eigentlich hätten sie gerade keine Pause machen wollen.

Dabei wirken sie nicht gestresst, sondern energiegeladen. Kopatchinskaja, künstlerische Leiterin der Camerata Bern, und der langjährige Camerata-Cellist Kaufmann zeichnen gemeinsam verantwortlich für die Programmation des grossen Eröffnungsfestes, das das Ensemble am Wochenende veranstaltet.

Eine zweitägige Saisoneröffnung, da rührt die Camerata Bern mit der grossen Kelle an. Der «Cocktail Op. 1» vereint vier Konzerte zu ganz unterschiedlichen Zeiten; wer möchte, kann also vom ausschweifenden Freitagabend direkt in den Samstagsbrunch mit den Musikerinnen und Musikern einsteigen und auch den Samstagabend gleich noch in der Dampfzentrale verbringen.

Auf die Grösse dieses Eröffnungsfestes angesprochen, zuckt Thomas Kaufmann schmunzelnd mit den Schultern: «Die Freude am Spielen muss man ja auch mal ausleben – und mit so vielen kreativen Köpfen braucht das halt gleich zwei Tage.»

Einen «Cocktail» nennen sie das Fest, und Kopatchinskaja erzählt dazu: «Wir wollen unsere Saisoneröffnung in einem Rausch spielen und zeigen, dass die Musik aus Energie und Neugierde, aus einem verrückten Gemisch von Epochen, Stilen und Farben kommt.»

Für das Programm durften alle Musikerinnen und Musiker etwas wünschen, woraus Kopatchinskaja und Kaufmann dann den «Cocktail» zusammengestellt haben. Deshalb auch der Titel, so Kopatchinskaja: «Dass unser Ensemble so viele verschiedene Leute miteinander vermischt, ist unser Motor und unsere Stärke.»

Das Programm zeigt sich entsprechend bunt – und lässt überdies noch manche Überraschung offen. Im Spätkonzert «Likes» am Freitag beispielsweise spielen Ensemblemitglieder ihre Lieblingsstücke: Eine Wundertüte, in der viel Kammermusik und Solostücke zu hören sein werden.

Kopatchinskaja erzählt: «Die Camerata Bern besteht aus Leuten, die gerne auch gemeinsam Kammermusik machen. In unseren Abokonzerten kommt das zu kurz, jetzt aber haben wir die Gelegenheit, alles auszuprobieren.» Und zum Konzerttitel ergänzen die zwei Programmverantwortlichen: «‹Likes› kam uns in den Sinn, als wir uns überlegt haben, was die Droge von heute ist.»

Gäste bleiben geheim

Schon fast altbacken ist demgegenüber die Droge «Extasy», nach der das Konzert am Samstagabend benannt ist. Gemäss Programmheft wird dieses Konzert für den «ultimativen Kick» sorgen und einige langjährig mit der Camerata verbundene Überraschungsgäste auf der Bühne vereinen.

Auch auf Nachfrage lassen sie sich keine weiteren Informationen dazu entlocken. Kopatchinskaja verrät nur: «Die Leute sollen fürs Konzert bequeme Schuhe tragen.» Beide lachen, und Kaufmann meint noch, dass man ausserdem bitte keine Tomaten mitbringen solle.

Wirklich viel verraten diese Bemerkungen nicht, im Gegenteil. Es seien aber alles verträgliche «Drogen». «Danach ist man vielleicht etwas beschwipst, freut sich aber auf das nächste Mal», so Kopatchinskaja.

Fest der Nähe

Letztlich soll das Fest zu Begegnungen zwischen den Musizierenden und dem Publikum einladen, erzählt Kopatchinskaja. «Wir werden da sein als Musikerinnen und Musiker, aber auch als Menschen, als Nachbarn und Gesprächspartner. Wir wollen hören, was uns die Bernerinnen und Berner zu sagen haben.

Wir suchen die Nähe.» Dafür solle die Dampfzentrale gewissermassen zum Wohnzimmer werden, in dem die Camerata ein Hauskonzert veranstaltet. Und Kaufmann schiebt nach: «Ein ganz grosses Hauskonzert!»

«Cocktail Op. 1», Camerata Bern, 18./19.10., Dampfzentrale, Bern.

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