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Game, Set, Match für Noseda

Gianandrea Noseda dirigierte sein erstes Konzert mit dem Opernhaus-Orchester, dessen Chef er sein wird.

Drei Komponisten, drei Klangwelten: Gianandrea Noseda geht die Werke individuell an. Foto: Ramella & Giannese
Drei Komponisten, drei Klangwelten: Gianandrea Noseda geht die Werke individuell an. Foto: Ramella & Giannese

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen Dirigenten von einem anderen unterscheiden. Bei Gianandrea Noseda zum Beispiel diese: Er verschwindet nicht in die Garderobe, wenn der Solist seine Zugabe spielt, sondern hört irgendwo hinten auf der Bühne zu. Das war so, als er im Dezember sein Tonhalle-Debüt gab, das war nun wieder so bei seinem ersten Konzert mit der Philharmonia Zürich. Man kann es als Signal des Respekts verstehen oder auch einfach als brennendes Interesse an Musik. Beides wäre wohl nicht falsch.

Und in diesem Fall hat sich das Bleiben zweifellos gelohnt. Der 31-jährige armenische Cellist Narek Hakhnazaryan hatte schon in Tschaikowskys «Variationen über ein Rokoko-Thema» gezeigt, wie blitzschnell er den Schalter umlegen kann: von elegisch zu energisch, von hochvirtuos zu hochsensibel. Und nun, in Giovanni Sollimas «Lamentatio», hypnotisierte er das Publikum regelrecht mit seinen endlosen Kantilenen von Cello und Stimme – um es dann mit Höchstgeschwindigkeitsexzessen in atemlose Verzückung zu versetzen.

Während Hakhnazaryan das Spiel als Spiel genoss, war der Abend für Noseda wohl keine ganz unstressige Angelegenheit. 2021 wird der 55-jährige Italiener als Generalmusikdirektor ans Zürcher Opernhaus kommen, da will man einen guten Eindruck machen beim ersten Auftritt seit der Wahl. Zwar kennt ihn das Zürcher Publikum bereits, von Verdis «Macbeth» und Prokofjews «Der feurige Engel», oder eben vom Tonhalle-Debüt kürzlich. Aber ein Konzert mit der Philharmonia hat Noseda noch nie dirigiert.

So stemmte er denn die Eröffnungsakkorde von Schuberts Ouvertüre zur «Zauberharfe» (auch bekannt als «Rosamunde»-Ouvertüre) in den Saal, als sei er Rafael Nadal vor dem entscheidenden Aufschlag – Nebengeräusche inklusive. Was dann folgte, war aber eher Pingpong mit dem Orchester: So lebendig, so fast schon rossinihaft leicht und flink klang diese Musik.

Heller Schubert, dramatischer Mendelssohn

Und: so anders als alles weitere. Denn Noseda zeigte an diesem Abend einmal mehr, wie individuell er verschiedene Werke angeht. Aus der hellen Klangwelt Schuberts geriet man in die warm leuchtende der Tschaikowsky-Variationen – und schliesslich in die dramatisch-düsteren Sphären von Felix Mendelssohns «Schottischer» Sinfonie.

Noseda trieb das hoch motivierte Orchester hier in ein grandios freies Fortissimo, ohne je die Kontrolle über die Details oder die Balance zu verlieren. Hätte er tatsächlich auf dem Tennisplatz gestanden: Man könnte nur konstatieren, dass er den Matchball überaus sicher verwertet hat.

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