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Klassiker der Woche: Warten auf Pinkerton

Als Madama Butterfly war sie legendär. Nun ist Licia Albanese mit 105 Jahren gestorben.

Als Film gibts diese Arie aus Puccinis «Madama Butterfly» ja leider nicht – Licia Albanese, geboren 1909 in Bari, hatte ihre grosse Zeit noch in der Epoche der knisternden Schellackplatten. Zu gern hätte man sie hier nicht nur gehört, sondern auch gesehen: Denn wie kaum eine Sängerin damals hat sie sich auch als Schauspielerin verstanden.

Einmal hatte sie in einer Aufführung nach japanischer Sitte die Schuhe auszuziehen, bevor sie ein Haus betrat; aber Puccinis Musik ging in jener Szene so pausenlos weiter, dass dafür kaum Zeit blieb. Also hat Albanese ihre Bühnenschuhe nach Hause genommen und das Rausschlüpfen geübt, bis sie es in einem Sekundenbruchteil schaffte. Bekannt wurde auch die Geschichte, dass sie einst eine Station von Tuberkulosekranken besuchte, weil sie sich auf ihre Bühnentode als Violetta (in Verdis «Traviata») oder Mimì (in Puccinis «Bohème») vorbereiten wollte: eine riskante Aktion für eine Sängerin. Und ein Hinweis darauf, dass sie sich keineswegs damit begnügte, dekorativ zu Boden zu sinken.

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