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#MeToo: Placido Domingo ist der nächste Täter

Der Opernsänger gibt zu, Frauen sexuell belästigt zu haben. Zuvor hatte er alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Placido Domingo 2016 in Wien.
Placido Domingo 2016 in Wien.
Reuters

Einen Tag nach der Verurteilung von Harvey Weinstein zeigt sich der Opern-Star Placido Domingo reumütig. Er hat sexuelles Fehlverhalten zugegeben und entschuldigt sich bei seinen Opfern – kurz nachdem ihn eine Untersuchung schwer belastet hat. Die Vorwürfe gegen den Spanier sind im vergangenen Sommer publik geworden. Mehrere Frauen – Sängerinnen, Tänzerinnen und Angestellte an der Oper in Los Angeles – hatten Domingo öffentlich sexuelle Belästigung vorgeworfen.

In einer schriftlichen Erklärung gegenüber der «Los Angeles Times» sagt der 79-Jährige jetzt, er habe sich Zeit genommen, um über diese Vorwürfe nachzudenken. «Ich respektiere, dass diese Frauen sich endlich sicher genug fühlten, um an die Öffentlichkeit zu gehen, und ich will, dass sie wissen, dass es mir ehrlich leidtut, dass ich ihnen wehgetan habe. Ich akzeptiere die volle Verantwortung für meine Taten und ich bin an dieser Erfahrung gewachsen.»

Die späte Reue kommt nicht zu einem zufälligen Zeitpunkt. Fast zeitgleich mit Domingos Entschuldigung teilte die US-Gewerkschaft der Opernsänger, Agma, mit, dass eine Untersuchung zum Schluss komme, der Opern-Star habe sich eines sexuellen Fehlverhaltens schuldig gemacht.

Küssen, grapschen, stalken

Die Nachrichtenagentur AP hatte Einblick in die Untersuchung. Sie zeigt das klassische Muster eines #MeToo-Falls auf: Domingo hat seine Machtposition ausgenutzt, um sich gegenüber Frauen übergriffig zu verhalten. Insgesamt 27 Personen belasten den Spanier. Es handelt sich zum einen um Frauen, die der Opernsänger selber belästigt hatte. Zum anderen um Personen, die selber sahen, wie Kolleginnen belästigt wurden.

Konkret habe Domingo Frauen begrapscht und sie ohne ihr Einverständnis auf den Mund geküsst, berichtet AP. Spätabends habe er sie angerufen und aufgefordert, zu ihm nach Hause zu kommen oder gemeinsam auszugehen. Dabei sei er dermassen beharrlich vorgegangen, dass einige Frauen von Stalking sprachen.

Zwei der Frauen sagten aus, sie hätten sexuelle Beziehungen mit dem Sänger gehabt. Diese seien sie nur eingegangen aus Angst, der Opernstar würde ihre Karriere beschädigen, sollten sie ihn zurückweisen. Die Fälle reichen bis in die 80er-Jahre zurück. Domingo hatte zuvor stets beteuert, seine sexuellen Beziehungen seien «immer willkommen und einvernehmlich» gewesen.

In den USA nicht mehr erwünscht

Placido Domingo ist einer der bislang prominentesten #MeToo-Fälle. Er ist auf allen wichtigen Opernbühnen aufgetreten, hat weltweit über 21 Millionen Tonträger verkauft. Spätestens seit er in den 90er-Jahren mit Luciano Pavarotti und José Carreras die «Die drei Tenöre» begründet hat, ist er auch einem Publikum bekannt, das sich mit Klassik wenig auskennt. Zuletzt wechselte er seine Stimmlage ins Baritonfach und dirigierte.

Nachdem die Vorwürfe gegen ihn publik geworden sind, wurde er in den USA zu einer persona non grata. Er musste seine Auftritte in der New Yorker Met absagen. Auch Konzerte in anderen Städten wurden abgesetzt. Im vergangenen Oktober trat er als Generaldirektor der Oper von Los Angeles zurück.

Domingo will in Luzern auftreten

In Europa hingegen war Domingo bis zuletzt ein umjubelter Star, auch in der Schweiz. Im vergangenen Oktober sang er im Zürcher Opernhaus die Hauptrolle in Verdis «Nabucco» – und wurde gefeiert. Misstöne während der Vorstellung oder Demonstrationen am Sechseläutenplatz gab es nicht. Dafür Ovationen und «Placido»-Rufe.

Drei Vorstellungen an der Staatsoper Hamburg im März und April werden nach aktuellem Stand wie geplant stattfinden, sagt ein Sprecher. Am 30. März steht ein Konzert im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum (KKL) auf dem Programm. Das KKL ist gemäss einer Sprecherin in Kontakt mit dem Konzertveranstalter Maya Classics und will zu einem späteren Zeitpunkt informieren. Der Meister selbst will offenbar auftreten: «See you soon in Switzerland» schreibt er auf seinen sozialen Kanälen.

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