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«Wir sind wie eine grosse Familie»

Kontrabassistin Bettina Keller unterrichtet an den Musikschulen Bern und Köniz, lehrt Fachdidaktik an der HKB. Und hat sich als Grossrätin für Bildungs- und Kulturfragen eingesetzt. Zudem leitet sie seit Jahren das ­­Kontrabass­orchester Bern.

Ein Leben für den Kontrabass: Die Musikerin und Grossrätin Bettina Keller spielt mit Kindern im Kontrabassorchester Bern.
Ein Leben für den Kontrabass: Die Musikerin und Grossrätin Bettina Keller spielt mit Kindern im Kontrabassorchester Bern.
Beat Mathys

«Luegit, vo Bärge u Tal . . .». Ergreifend schön klingt es. Plötzlich aber beginnen einzelne Orchestermitglieder auf ihren Instrumenten zu kratzen und zu klopfen. Es folgen jaulende Töne.

Erst dann stimmen alle Instrumente in einen wohlklingenden und mitreissenden südamerikanischen Tanz ein. «Das gemeinsame Erlebnis ist wichtig», sagt Bettina Keller. Und auch das Gefühl jedes Einzelnen, zum Ganzen ­etwas beizutragen, unabhängig vom eigenen Können.

«Das gemeinsame Erlebnis ist ­wichtig.»

Bettina Keller

Das gilt ­besonders für die Jüngsten im Kontrabassorchester. Sie sind erst sechs Jahre alt und spielen das grosse Bassinstrument seit diesem Sommer. Mit Rhythmusspielen und theatralischen Einlagen fällt es ihnen leichter, sich in der so anspruchsvollen Orchesterwelt zurechtzufinden.

Denn Integration und Geborgenheit wird beim Kontrabassorchester grossgeschrieben. Es sind Werte, welche die Initiantin und langjährige Leiterin Bettina Keller von ihrem Musiklehrer am Gymnasium Neufeld, Adolf Burkhardt, vermittelt bekommen hat.

Schubert trägt Schuld

Wie aber ist eigentlich ihre Liebe zum Kontrabass entstanden? «Bei uns zu Hause wurde einmal das ‹Forellenquintett› von Schubert aufgeführt, da habe ich zum ersten Mal den Kontrabass bewusst wahrgenommen», sagt Keller. Zudem fühlte sich die damalige Pianistin an ihrem Instrument zunehmend einsam. «Musizieren bedeutet für mich Zusammenspiel», sagt sie. Sie nahm die Anregung von «Döfe» Burkhardt, Kontrabass zu lernen, deshalb dankbar an.

«Er gab mir den Schlüssel zum Schrank, wo die Kontrabässe aufbewahrt wurden.» Von da an nahm Bettina Kellers Weg als Musikerin seinen Lauf: Sie studierte an der Musikhochschule Klavier bei Erika Radermacher und Kontrabass bei Béla Szedlak. Von ihrem damaligen Lehrer übernahm sie 1995 die Kontrabassklasse am Konservatorium in Bern und baute sie kontinuierlich aus.

Jahrelange Treue

Bettina Kellers Engagement für den Kontrabassnachwuchs ging einher mit einem regelrechten Kontrabassboom. Begünstigt wurde dieser durch die Entwicklung von kindgerechten Instrumenten und neuen pädagogischen Erkenntnissen.

Eine gute Schulung bereits im Kindesalter ist zentral, wenn man sich später auf dem Instrument profilieren möchte. Heute gibt es sieben verschiedene Kontrabassgrössen. Das erlaubt bereits sehr kleinen Kindern, das tiefste Instrument der Streicherfamilie zu spielen.

Viereinhalbjährige Schüler

«Ich hatte auch schon Schüler im Alter von viereinhalb Jahren», erzählt die Kontrabassistin. Das Erstaunliche dabei: Die meisten, die mit dem Kontrabass beginnen, halten ihm auch über die ­Pubertät hinaus die Treue. «Wir sind wie eine grosse Familie», sagt Bettina Keller. Verglichen mit anderen Instrumentenfamilien, gibt es zudem kaum Konkurrenzdenken. «Es ist beglückend, so zu arbeiten».

Das Leben von Bettina Keller spielt sich auch ausserhalb von Kontrabässen ab. «Vielseitigkeit tut mir gut», sagt sie dazu. Als Grossrätin der Grünen engagierte sie sich zehn Jahre lang für Bildungs- und Kulturanliegen. Sie habe in dieser Zeit viel gelernt. «Ich erhielt Einblick in das Funktionieren unserer Gemeinschaft.» Doch die einzige Kulturschaffende unter 160 Parlamentarierinnen und Parlamentariern musste auch einsehen, dass Kultur in den Köpfen der meisten Politikerinnen und Politiker nur einen kleinen Platz einnimmt.

Ein Freund gab Tipps

Vor kurzem hat sie mit Cellounterricht begonnen. «Es ist eine weitere Dimension meines Mu­sikerlebens, die mich inspiriert und weiterbringt und die letztlich wieder meinem Bassspiel zugutekommt.»

Ob sie auch Dirigieren studiert hat? «Ein Freund hat mir ein paar Tipps gegeben», sagt Bettina Keller, die beim kommenden Jubiläumskonzert ein Orchester mit knapp 70 Kontrabassistinnen und Kontrabassisten leiten wird. Die Mehrzahl sind Kinder und Jugendliche. «Meine Lehrerkollegen aus den anderen Musikschulen und meine erwachsenen Schüler bilden im Orchester die Stützpfeiler», sagt sie.

Früher hat sie noch selbst mitgespielt. Damals umfasste das Orchester auch nur rund 15 Mitglieder. Heute, 20 Jahre nach der Gründung des Kontrabassorchesters Bern, steht sie vor einem aus­gewachsenen Klangkörper, der nicht nur Musik aus allen Ländern und Sparten spielt, sondern auch klatscht und stampft.

Konzerte: 20 Jahre Kontrabass­orchester Bern, Sa, 18. 11., 15 Uhr Konservatorium Bern; So, 19. 11., 16 Uhr, Kirche Spiegel. Eintritt frei, ­Kollekte.

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