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Berge aus Schokolade

Der Bündner Künstler Not Vital arbeitet seit über fünf Jahrzehnten an seinem beeindruckenden Œuvre. Die ­Galerie Kornfeld zeigt eine Ausstellung mit seinen poetisch-abgründigen Arbeiten.

Die Wände des Museumssaals sind leer. Das diffuse weisse Licht wirft keine Schatten. Der graue Boden glänzt wie eine Seeoberfläche in der Nacht. Auf ihm liegen Dutzende Glaskugeln verteilt, alle so gross wie Fussbälle, mit einem weissen Kern.

Die Anordnung wirkt, als wären die Betrachter auf die Grösse von Ameisen geschrumpft und würden nun frisch gefallene Regentropfen bestaunen. Oder als hätte ein Riesenkind gerade einen Sack voll Schneebälle fallen lassen. Darum auch der Titel, «Snowballs».

Aus der Natur gearbeitet

Die Installation des Bündner Künstlers Not Vital, letzten Herbst zu sehen im Bündner Kunstmuseum, bildete den Auftakt zu einer grossen Retrospektive. Es war das erste Mal, dass ein Schweizer Museum dem 1948 ­geborenen Künstler eine Werkschau widmete.

Es war eine überfällige Ehrung für einen Schweizer Künstler, der seit den Siebzigerjahren rund um den Globus präsentiert wird. Eine Ausstellung, in der Schwarzweiss und Grautöne dominierten, die aber nie bedrückend wirkte. Am Galerienwochenende gibt es das vielseitige Œuvre Not Vitals nun in Bern zu entdecken.

Seine Werke scheinen direkt aus der Natur herausgearbeitet. Mondartige Steinskulpturen, auf langen Holzpflöcken präsentierte Köpfe, mit Erde «gemalte» Zeichnungen. Obwohl der Künstler ein Kosmopolit ist und unter anderem in Rio de Janeiro und Peking arbeitet, bleibt er dennoch mit den Bergen seiner Heimat verankert.

Ein an die Wand gelehnter Davoser Schlitten aus Marmor («Sled») bringt die alpine Lebenskultur in den Ausstellungsraum. Mit der Zeichnung «3 Mountains in Toblerone» vereint der Bündner Künstler zwei Schweizer Klischees: Berggipfel und Schokolade, die in diesem Fall als Malutensil herhalten musste.

Ein Bild, das verdeutlicht, was Not Vital so einzigartig macht: das Nebeneinander von Groteske und Poesie, von Humor und Abgrund. Das ist Kunst, in die jeder etwas hineinlesen kann. Entsprechend gross war auch der Andrang des kaufkräftigen Publikums bei Minustemperaturen, als Not Vital letzte Woche im ­Engadin zu einer Stall-Ausstellung lud.

Märchenhaft abgründig

Wärmer wird es in der Berner Galerie Kornfeld, die erstmals eine Auswahl von Not Vitals aktuellsten Grafikarbeiten, Ölgemälden sowie eine Installation aus 30 ­riesigen Chromstahllotusblüten ausstellt. Auch die Toblerone-Zeichnung oder «My Age»: weisse Silikontupfer auf schwarzem Schmirgelpapier.

Das klingt nicht besonders berauschend. Doch das Ergebnis wirkt einmal mehr märchenhaft abgründig. Die Lebensjahre des Künstlers fallen wie Schneeflocken vom nächtlichen Himmel. Hoffentlich noch lange.

Ausstellung Not Vital: bis 28. Februar. Eröffnung am Galerienwochenende. Galerie Kornfeld, Bern.

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