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Der Erfinder des Porno-Chics

David LaChapelle prägte mit seiner Fotografie die Bildästhetik der Neunzigerjahre. Im Jubiläums-Fotoband «Heaven to Hell» präsentiert der Taschen-Verlag seine jüngeren Arbeiten.

Nackte Haut, pralle Farben, eindeutige Posen und oft auch prominente Gesichter wie hier Angelina Jolie prägen die Bilder von David LaChappelle.
Nackte Haut, pralle Farben, eindeutige Posen und oft auch prominente Gesichter wie hier Angelina Jolie prägen die Bilder von David LaChappelle.
Taschen Verlag
David LaChapelle fing als 17-Jähriger bei Andy Warhol mit dem Fotografieren an.
David LaChapelle fing als 17-Jähriger bei Andy Warhol mit dem Fotografieren an.
Taschen Verlag
Xenophobia, 1997
Xenophobia, 1997
© David LaChapelle
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Seinen Namen mag nicht jeder kennen, seine Bilder hingegen schon. Oder zumindest seine Bildästhetik. David LaChapelle ist der König der Glamour-Fotografie, die in den Neunzigerjahren Einzug hielt in die wichtigsten Hochglanzmagazine. Niemand inszenierte den Kult um die Stars so opulent und vulgär wie LaChapelle. Und seine Lebensgeschichte tönt genauso umsichtig arrangiert wie seine Bildkompositionen. David LaChapelle wächst auf in Connecticut und hat als Jugendlicher vor allem Unsinn im Kopf, sitzt als Schläger, Rowdy und Dieb regelmässig im Gefängnis. Doch er hat einen Traum: Andy Warhols Magazin «Interview» weckt in ihm die Sehnsucht, selber Fotograf zu werden, weshalb er mit 15 Jahren nach New York geht. Im legendären New Yorker Club Studio 54 arbeitet er als Hilfskellner und verdient sein Geld als Strichjunge. In Interviews behauptet er gern, das Geld für seine erste Kamera habe er mit einem Blowjob verdient.

Bei Andy Warhol

Und tatsächlich bekommt er seine Chance – allerdings erst 1986, drei Jahre später. Der Achtzehnjährige trifft in New York auf den Künstler Andy Warhol und ergattert einen ersten Job als Fotograf. LaChapelle macht seine Sache gut, seine Arbeiten verraten eine eigene Handschrift: aufwendige Inszenierungen, fantasievolle Dekors, grelle Farben, Sex-Appeal. Entscheidend aber sind die speziellen Details, die sich in jedem LaChapelle-Bild finden. Mal weint das Modell, mal hat der Hund auf den Boden uriniert. LaChapelle treibt seine Modelle gerne an ihre Grenzen – und macht sich so unverwechselbar. «Es geht immer um mich. Meine Bilder sind Selbstporträts. Ich will mich inszenieren. Das mache ich, indem ich die Menschen in Szene setze. Ich fotografiere sie, wie ich will. Und damit zeige ich, wer ich bin», sagt er. Er beginnt nun auch für andere Magazine wie «Rolling Stone» oder «i-D» zu fotografieren und dreht verschiedentlich auch Musikvideos, etwa für Jennifer Lopez oder Moby.

Abschied vom Glamour

Bald reissen sich die Stars um den Fotografen. Kanye West, Angelina Jolie, Christina Aguilera, David Beckham, Paris Hilton, Marilyn Manson und Elton John – sie alle haben sich von ihm fotografieren lassen. Sie sind denn auch im Jubiläums-Fotoband «Heaven to Hell» zu sehen, welcher im Taschen-Verlag erscheint. Es handelt sich dabei um den dritten Band einer Trilogie, die 1996 mit «LaChapelle Land» begonnen hatte und 1999 mit «Hotel LaChapelle» fortgeführt wurde. Mit dem Abschluss dieser Serie hat sich LaChapelle von der Glamour-Fotografie samt ihrer Idealisierung der Modelle weitgehend entfernt: Statt am Strand kühlen die Blondinen nun wie lebloses Fleisch aufgebahrt im Supermarkt neben Steaks aus. Die emotionale Distanz, gepaart mit seiner immer noch sichtbaren Vorliebe fürs Vulgäre im Hochglanzuniversum der Stars, verleiht diesen jüngeren Arbeiten eine ganz eigene Spannung.

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