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Der lange Marsch zur Fitness

In Zeiten von Ostalgie und Olympiade feiert chinesische Propaganda-Kunst ein Comeback. Höchste Zeit für eine Rückschau auf eines ihrer spektakulärsten Sujets: Die sportliche Ertüchtigung des Volkskörpers.

Farbenfrohe Drucke, die Verhaltensvorbilder propagieren - das waren die Grundprinzipien der chinesischen Plakatkunst während vor und während der Kulturrevolution. Noch heute treffen sie - zumindest im Westen - den Zeitgeschmack. Sie sind gleichermassen Pop und Zeitdokument der politischen Kultur Chinas.

Als die Wirtschaftsreform in den 80er Jahren die Volksrepublik umwandelte, verschwanden die bisher charakteristischen Darstellungen von Arbeitern eines proletarischen Utopia von den Plakaten - und damit eine der interessantesten Propaganda-Sujets: Die sportliche Ertüchtigung des Volkskörpers.

Maos Sport-Manifest

Begonnen hat der Volksport - wie könnte es anders sein - mit Revolutionsführer Mao Zedong. Der Grosse Vorsitzende war Zeit seines Lebens ein begeisterter Schwimmer, und lieferte bereits 1917 eine «Studie über physische Kultur» ab. Später liess er sich beim winterlichen Schwumm im Chinesischen Meer feiern. Doch es sollte noch 40 Jahre dauern, bis die heute bekannten, poppigen Plakate von chinesischen Hauswänden leuchteten: Erst in den 1950er Jahren entdeckte der Staat die gestählten Körper der Arbeiter als Metaphern für die starke und gesunde Arbeiterklasse.

Während der Kulturrevolution (1966-1976) kam dem Sport dann vermehrt eine bürgerverbindende Aufgabe zu. Und nach der Kulturrevolution sollte er schliesslich der Modernisierung des Landes dienen. Mao Zedong war zu diesem Zeitpunkt gestorben. Die Bürger wurden nun von Deng Xiaoping zur Ertüchtigung von Geist und Körper aufgerufen.

Heute erinnert höchstens die riesige Olympia-Plakatkampagne an die grosse Zeit der chinesischen Sport-Propaganda. Ansonsten haben Stars wie Basketballer Yao Ming oder Hürdenläufer Liu Xiang die wackeren Poster-Volkssportler verdrängt. Zu sehen sind die neuen Helden indes nicht auf staatlichen Plakaten - sondern in Pepsi-Commercials.

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