Zum Hauptinhalt springen

Der leichteste Diebstahl aller Zeiten

Der spektakuläre Diebstahl machte Leonardo da Vincis Gemälde endgültig zum berühmtesten der Welt: Vor 100 Jahren wurde die Mona Lisa aus dem Pariser Louvre gestohlen.

Wurde vor einem Jahrhundert gestohlen: Die Mona Lisa im Louvre Museum in Paris.
Wurde vor einem Jahrhundert gestohlen: Die Mona Lisa im Louvre Museum in Paris.
Keystone

Ein junger Italiener hatte das Bild der Mona Lisa «heim» nach Italien holen wollen - er ignorierte dabei, dass der Maler selbst es vor seinem Tod 1519 an den französischen König Franz I. verkauft hatte. Beim Versuch, das Porträt 1913 an einen florentinischen Kunsthändler zu verkaufen, wurde der Dieb geschnappt. Danach hat die Frau mit dem geheimnisvollen Lächeln Frankreich kaum mehr verlassen - und so soll es nach dem Willen der Louvre-Leitung auch bleiben.

Um den Diebstahl der Mona Lisa ranken sich viele Geschichten. Selbst der Tag der Tat steht nicht eindeutig fest: Einige Quellen sprechen vom 21. August, andere vom 22. August 1911. Jedenfalls wurde es dem Täter, dem Arbeiter Vincenzo Peruggia, mehr als leicht gemacht. Er versteckte sich über Nacht in einem Schrank, nutzte dann, so wird kolportiert, das Durcheinander um die morgendlichen Reinigungsarbeiten, nahm das Bild und verschwand einfach.

Fingerabdruck des Täters

Ob er allein handelte oder Helfer hatte, darüber wird bis heute gestritten. Ein Klempner soll ihm die Tür geöffnet haben, damit er den Louvre unbehelligt verlassen konnte, aber auch hier sind sich die Historiker nicht einig. Fest steht, dass sich Peruggia im Museum auskannte: Er hatte hier einige Monate vor dem Diebstahl Handwerksarbeiten ausgeführt.

Erst nach einem Tag wurde die Tat entdeckt - nicht vom Personal im Louvre, sondern von einem Maler, der den Raum porträtieren wollte, in dem «La Joconde» hätte hängen sollen. Die Aufregung war gross, die Polizei ging jedem möglichen Hinweis nach. Die Ermittler befragten jeden, der in der Vergangenheit im Louvre gearbeitet hatte - auch Peruggia soll vernommen worden sein. Es gab offenbar sogar einen Fingerabdruck des Täters, den dieser auf der die Mona Lisa schützenden Glasscheibe hinterlassen hatte. Die Polizei brachte dies nicht weiter.

Picasso in Verdacht

Das Bild blieb verschwunden. In Verdacht gerieten schliesslich der Schriftsteller Guillaume Apollinaire und der Maler Pablo Picasso: Letzterer hatte Jahre zuvor aus dem Louvre entwendete Kunstwerke gekauft von einem Mann, der bei Apollinaire beschäftigt war. Der Dichter wurde einige Tage inhaftiert, Picasso verhört.

Für den Louvre war der Diebstahl peinlich, enthüllte er doch die unzureichenden Sicherheitsmassnahmen. Der Platz, an dem die «Mona Lisa» gehangen hatte, blieb zunächst leer. Später wurde Baldassare Castigliones «Porträt von Raffael» an die Stelle gehängt.

Sieben Monate Haft

Unterdessen hielt Peruggia seinen Schatz versteckt - in seinem Zimmer in der Rue de L'Hopital Saint Louis im 10. Pariser Stadtbezirk. Zwei Jahre lang ruhte das Gemälde in einem Koffer mit doppeltem Boden. Ende 1913 schliesslich erhielt Alfredo Geri, Kunsthändler in Florenz, einen mit dem Namen «Leonardo» unterzeichneten Brief, in dem es hiess, die Mona Lisa solle wieder ihrem Land zurückgegeben werden. Ob der Briefeschreiber tatsächlich, wie es in einigen Quellen heisst, 500'000 Lire als Gegenleistung verlangte, ist nicht eindeutig belegt. Peruggia jedenfalls soll dies später im Prozess bestritten haben.

Geri liess sich von einem Kunstexperten die Echtheit des Bildes bestätigen - und alarmierte dann die Polizei. Der Dieb wurde verhaftet, Mona Lisa sichergestellt. Die italienische Regierung liess von Anfang an keinen Zweifel daran, dass sie das Gemälde an Frankreich zurückgeben werde, sehr zum Unmut einiger Nationalisten, für die Peruggia ein Volksheld war.

Dieser wurde in seiner Heimat zu sieben Monaten Haft verurteilt. Als er aus dem Gefängnis entlassen wurde, empfing ihn eine jubelnde Menschenmenge. Bis heute ist er populär, sogar eine Seite im sozialen Netzwerk Facebook wurde inzwischen für ihn eingerichtet.

Irreversible Schäden

Da Vincis berühmtes Bild wurde in mehreren italienischen Städten ausgestellt, bevor es 1914 in den Louvre zurückkehrte. Seitdem ging es nur selten auf Tournee, zum Beispiel in die USA oder nach Japan. Jedes Mal äusserten die Kuratoren ihren Unwillen. Der Stadt Florenz, die die Mona Lisa für eine Ausstellung 2013 ausleihen will, machte man jetzt wenig Hoffnung. Der Transport könne dem Kunstwerk irreversiblen Schaden zufügen, erklärte Vincent Pomarède, Direktor der Gemäldeabteilung des Louvre.

dapd/wid

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch