Der «Pulp» kehrt doppelt nach Bern zurück

Das Künstlerduo M.S. Bastian/Isabelle L. stellt am Galerienwochenende gleich an zwei Orten aus: In der Galerie da Mihi und in der Casita präsentieren die Bieler Kunstschaffenden fantastische Comicwelten voller Zitate aus Kunstgeschichte und Populärkultur.

«Wir reagieren aufeinander» – im Leben und in der Kunst: M:S. Bastian und Isabelle L.

«Wir reagieren aufeinander» – im Leben und in der Kunst: M:S. Bastian und Isabelle L.

(Bild: Beat Mathys)

Helen Lagger@FuxHelen

Zwei grosse staunende Augen, ein meist lächelnder Mund und eine Kopfform wie ein Ei: Pulp heisst die kleine Figur, die man sofort mögen muss. Der Künstler M.S. Bastian schuf den Kerl in den frühen Achtzigerjahren. Längst durchzieht er das Gesamtwerk.

Seit 2004 tritt M.S. Bastian (bürgerlich Marcel Sollberger) mit seiner Lebenspartnerin Isabelle Laubscher alias Isabelle L. als Duo auf. Seither ist sein Bildkosmos noch dichter und farbiger geworden.

Neben den Pulps tauchen in den fiktiven Städten oder Dschungeln auch sogenannte Isabellen – in Form lachender Vögel oder Insekten – auf. Wer was gemalt hat, lässt sich unmöglich feststellen. «Wir reagieren aufeinander», sagt M.S. Bastian. Einen Eindruck, den man auch im Gespräch mit dem in Biel lebenden Künstlerpaar gewinnt.

Witzig – mit Message

Zum Galerienwochenende kehrt das Paar mit einer Doppelausstellung nach Bern zurück. Während rund zwanzig Jahren präsentierte die Galerie Martin Krebs die Kunst von M.S. Bastian und später von M.S. Bastian/Isabelle L. Nun haben die beiden in der Galerie da Mihi einen neuen Hafen gefunden.

Galeristin Barbara Marbot präsentiert als Auftakt am Galerienwochenende eine Ausstellung, die sich am eben erschienenen Buch «Bastomania» orientiert. Nebst Flugobjekten, Installationen und Gemälden sind neuste plakativ gestaltete Arbeiten zu sehen, in denen Pulp die Hauptrolle spielt. Er sitzt in lasziver Pose in einem Cocktailglas oder wird gar – o Schreck – auf einen Spiess gesteckt von einem Wolf gegrillt.

«Bei den Fans kam dies gar nicht gut an», so das Künstlerpaar. Proteste in Form von E-Mails und Postkarten seien bei ihnen eingegangen, unter anderem mit der Drohung, eine «Save the Pulp Foundation» zu gründen. Seit in Biel vor der Eisenwarenfirma F. + H. Engel AG der lebensgrosse Super-Pulp steht, hat der Kult um den manchmal weissen und manchmal schwarzen Kerl noch zugenommen.

Für die beiden Vegetarier enthält das witzige Grillbild auch eine ernsthafte Message: Kreaturen sollte man nicht essen. Nebst dem Pulp gibt es auf den Gemälden unzählige andere Gesellen zu entdecken: Popeye, Barbapapa, Mickey Mouse und Mumins. Aber auch Zitate aus der Kunstgeschichte findet man in den Wimmelbildern, die an mittelalterliche Meister wie Breughel oder Bosch denken lassen.

Im Tropenhaus

Regelmässig brechen M.S. Bastian und Isabelle L. aus dem Galerienkontext aus. In Bern bemalten sie etwa die Gurtenbahn oder gestalteten die Bar Gustav im Bierhübeli. Der offene Geist der Galeristin Barbara Marbot kommt ihnen entgegen. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass Marbot mit ihren Kooperationen das Gärtchendenken in der Berner Szene aufmischt.

So stellen «ihre» neu gewonnenen Künstler zeitgleich auch in der Casita aus. Hélène und Daniel Lüthi führen dieses kleinste Hotel von Bern und bespielen es in regelmässigen Abständen mit Ausstellungen. Der Verein Berner Galerien hat die Casita zwar nicht aufgenommen, doch am Galerienwochenende ist sie dabei. In dem zweistöckigen Gebäude haben M.S. Bastian und Isabelle L. mit ihren Dschungel- und Paradiesbildern ein Tropenhaus eingerichtet.

«Ich bin eigentlich in Afrika aufgewachsen», scherzt M.S. Bastian. Seine Eltern hatten in Bern eine Galerie mit afrikanischer Kunst. Das Reisen bleibt für das Künstlerpaar eine grosse Inspiration. «Bastotropia» nennen die beiden ihre gemalten Dickichte voller Leben und vieler grüssender kleiner Pulps.

Eröffnung: Do, 10.1., 18–20 Uhr, Casita, Schwalbenweg 6a, Länggasse. Fr, 11.1., 18–20 Uhr, Galerie da Mihi, Gerechtigkeitsgasse 40.

Berner Zeitung

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