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«Die Deutschen wollen uns mit ihren Witzen quälen»

Lakis Lazopoulos ist der populärste Komiker Griechenlands, morgen tritt er in Zürich auf. Ein Interview über die Bedeutung des Humors in Krisenzeiten, seine Wut auf Merkel und den Stolz der Griechen.

Gibt Anlass zu heftigen Streitereien zwischen Griechen und Deutschen: Kanzlerin Merkel. (Aufnahme vom 24. Mai)
Gibt Anlass zu heftigen Streitereien zwischen Griechen und Deutschen: Kanzlerin Merkel. (Aufnahme vom 24. Mai)
Keystone
Wo andere Politik sehen, sieht Lazopoulos Comedy: Ionesco, Ikone des absurden Theaters. (April 1986)
Wo andere Politik sehen, sieht Lazopoulos Comedy: Ionesco, Ikone des absurden Theaters. (April 1986)
Keystone
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In ganz Europa wird über Griechenland und die Griechen gewitzelt, mal besser, mal schlechter. Wie gehen Sie als griechischer Humorist damit um? Die Zeiten sind sehr schwierig für uns Griechen, das ist klar. Jeder Grieche, egal an welchem Ort der Welt er lebt, muss sich das Gerede über uns anhören – alles spricht über uns, alle halten uns für das grosse Problem dieser Welt. Nun komme ich mit meinem Programm und sage, ironisch: «Sorry... I'm Greek!». Das ist es ja wohl, was sie von uns hören wollen.

Sie unternehmen mit «Sorry... I'm Greek!» eine Gewaltstour. Sie treten nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, in Kanada, Südafrika und Australien auf. Warum? Mein Programm ist von einem Griechen für alle Griechen dieser Welt. Ich will sie zum Lachen bringen, ihnen Mut machen. Ich will ihnen in die Augen sehen und ihnen sagen: Unsere Kultur, unsere Sprache ist wichtig.

Wie sehen Sie als Grieche die Krise? Alle sprechen über unsere Probleme. Aber in kurzer Zeit haben Spanien, Portugal und Italien genau die gleichen Probleme. Die EU gängelt und drängt uns, sie lassen uns nicht einmal einen Monat von der einen zur nächsten Wahl. Dabei krempeln wir jetzt das politische System Griechenlands um; wir brauchten nur etwas Zeit, und dann wären die alten Politiker weg. Merkel und ihre Leute halten aber an genau diesen alten Politikern fest. Und die Griechen wissen das, wir sehen genau, was sich in unserem Land zuträgt.

Was können Sie als Comedian tun, was ist ihre Rolle? (lacht) Ich als Comedian? Die Politiker sind doch die grössten, die besten Komödianten! Jeden Monat reisen sie nach Brüssel und machen: nichts. Sie entscheiden gar nichts dort! Kennen Sie jemand, der jeden Monat irgendwo hinfliegt, mit dem Ziel, nichts zu entscheiden? Das ist Ionesco! Wenn das nicht Comedy ist – was ist dann Comedy? Wir müssen darüber lachen! Glauben Sie mir, in ein paar Jahren werden wir alle darüber lachen.

Was ist typisch für den griechischen Humor? Was unterscheidet ihn vom amerikanischen, vom deutschen Humor? Das ist schwierig zu sagen... Humor entwickelt sich durch die Lebensumstände, in denen sich Menschen befinden. Die Satire, das Lachen über politische Zustände, wurde in Griechenland erfunden. Aristophanes! Speziell für den griechischen Humor ist das verspielte Aussprechen von Dingen, die wir heimlich denken. Die Franzosen haben einen ähnlichen Sinn für Comedy. Den deutschen Humor erlebe ich anders.

Wie? Die Deutschen haben einen – ich würde sagen, eher bösartigen Humor. Sie wollen uns mit ihren Witzen quälen. Ich komme gerade aus Deutschland und hatte da sehr intensive Diskussionen mit Deutschen. Unsere Meinungen gingen weit auseinander, gerade was Merkel anbetraf.

Was halten Sie denn von Merkel? Vielleicht passt sie für Deutschland, die Deutschen können das besser beurteilen als ich. Was ich aber definitiv nicht mag, ist, dass Merkel anderen Ländern sagen will, was sie zu tun haben. Wenn Merkel eine Griechin wäre, dann wollte ich sicher nicht, dass sie als Premierministerin anderen demokratisch gewählten Regierungen Befehle gibt. Das ist nicht Europa, das ist nicht Demokratie. Aber sie wird keinen Erfolg haben, weil ihr die Handlanger ausgehen, denn die wählen wir Griechen ab. Merkel muss wissen: Würde ist für Griechen das Wichtigste auf dieser Welt.

Jetzt sind Sie nicht mehr in Deutschland, sondern in der Schweiz, in Zürich. Das erste Mal? Wissen Sie, was ein Grieche tut, wenn er zum ersten Mal in die Schweiz kommt? Er zerdeppert alle Uhren, weil er es nicht ertragen kann zu sehen, wie spät es schon ist. (lacht) Nein, ich bin hier zum ersten Mal. Ich komme, um zu sagen: Das alles ist ein Sturm. Er wird vorübergehen.

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