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Ein Tumult mit Raubtieren

Kunst Kristalle, Hyänen und das Matterhorn: Herbert Brandls Motive sind Natur pur. Die Ausstellung «Hyänen­pause» im Museum Franz Gertsch in Burgdorf vereint Malerei und Druckgrafik mit einer Skulpturengruppe.

Drastisch: Ausschnitt aus «Das letzte Abendmahl» (2016), Skulpturen­gruppe von Herbert Brandl.
Drastisch: Ausschnitt aus «Das letzte Abendmahl» (2016), Skulpturen­gruppe von Herbert Brandl.
zvg

In Walt Disneys «The Lion King» sind die Aas fressenden Hyänen die Bösewichte, die den König stürzen wollen. Die gescheckten Viecher sind alles andere als Sympathieträger. Der österreichische Maler Herbert Brandl zeigt sich trotz des schlechten Images von den angeblich ma­triarchal geprägten Raubtieren fasziniert. In einem grossformatigen Ölbild sitzen zwei Exem­plare in einer Schweizer Landschaft, in der ein leicht verfremdetes Matterhorn zu erkennen ist. «Hyänenpause» lautet denn auch der Titel der aktuellen Ausstellung von Brandl im Museum Franz Gertsch in Burgdorf.

Berglandschaften und Kristalle sind nebst Tieren beliebte Motive des 1959 in Graz geborenen Künstlers, der in Wien lebt. In seinen Monotypien – einem Druckverfahren, bei dem Brandl direkt auf Acrylplatten malt – spielt auch der Zufall eine wich­tige Rolle. Der österreichische Künstler nutzt die «Echos» von vorherigen Blättern, um Neues entstehen zu lassen.

Die Arbeitsweise ist rasch, zumindest im direkten Vergleich mit dem Burgdorfer Hauskünstler Franz Gertsch, der meist über sehr lange Zeiträume an einem Werk arbeitet. Im Kabinett des Museums sind frühe Aquarelle aus den Sturm-und-Drang-Jahren des 87-jährigen Künstlers zu sehen.

Gerangel um Macht

Der Malerei und Druckgrafik Brandls ist eine grosse Skulpturengruppe gegenübergestellt. «Das letzte Abendmahl» (2016) besteht aus dreizehn patinierten Bronzeskulpturen. Es sind krude Kreaturen, die sich gegenseitig bekämpfen. Ein viriles Gerangel um Macht (die Viecher haben deutlich sichtbare Geschlechtsorgane).

Es handle sich hierbei nicht um Hyänen, sondern um Fantasie­geschöpfe, sagt Kuratorin Anna Wesle bei einem Rundgang. Der Künstler habe eine indonesische Holzkatze in seinem Atelier stehen gehabt. Als er an dieser immer wieder seinen Pinsel abstreifte, entstand eine Skulptur, die ihn zu den Figuren, die ihrerseits wie in Farbe getunkt aus­sehen, inspirierte.

Reaktionen im Fokus

Beim Titel «Das letzte Abendmahl» denkt man unweigerlich an Leonardo da Vinci. Im Ge­mälde des Altmeisters reagiert ­jeder Apostel anders auf die ungute Botschaft, dass einer unter ihnen Jesus verraten wird: Ungläubigkeit, Wut und Angst ist in den Gesichtern zu lesen. Wie Da Vinci wählt Brandl den Moment, nachdem die Versammelten vom Verrat erfahren haben, und zeigt die Reaktionen. Dass ein Tumult mit Raubtieren als Protagonisten drastisch daherkommt, versteht sich von selbst.

Ausstellung:bis 13. 8. im Museum Franz Gertsch, Burgdorf. Infos: www.museum-franzgertsch.ch

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