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Hans Josephsohn ist tot

Zeit seines Lebens widmete sich der Bildhauer der menschlichen Figur und verewigte sie in kolossalen Plastiken.

War seit 1938 als Künstler und Bildhauer in Zürich tätig: Hans Josephsohn, aufgenommen am 16. Juli 2004 in in seinem Atelier in Zürich.
War seit 1938 als Künstler und Bildhauer in Zürich tätig: Hans Josephsohn, aufgenommen am 16. Juli 2004 in in seinem Atelier in Zürich.
Keystone
Eine Besucherin des Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt läuft am Mittwoch, 6. Februar 2008, an Skulpturen Hans Josephsohns «Ohne Titel, 2002, 1994, 2003» vorbei.
Eine Besucherin des Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt läuft am Mittwoch, 6. Februar 2008, an Skulpturen Hans Josephsohns «Ohne Titel, 2002, 1994, 2003» vorbei.
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Hans Josephsohn starb in der Nacht auf Dienstag im Alter von 92 Jahren in Zürich. Die städtischen Behörden bestätigten auf Anfrage einen Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Mittwoch. Hans Josephsohn lebte seit 1939 in Zürich. Der 1920 im ostpreussischen Königsberg (heute Kaliningrad) geborene Künstler fand dort als jüdischer Flüchtling Aufnahme; er liess sich beim Bildhauer Otto Müller ausbilden.

1943 eröffnete Josephsohn sein eigenes Atelier. Zeit seines Lebens widmete er sich der menschlichen Figur und verewigte sie in kolossalen Plastiken. Einem breiteren Publikum wurde der Künstler spätestens 1997 mit einer Ausstellung im Zürcher Helmhaus bekannt.

Die Schau vereinigte 40 gewaltige in Bronze oder Messing gegossene Rundplastiken, Halbfiguren und Köpfe, sowie Reliefs, die er seit den 1940er-Jahren geschaffen hatte. 2003 überreichte ihm die Stadt Zürich ihren jährlich vergebenen Kunstpreis.

Bereits 1992 entstand im Tessiner Dörfchen Giornico das Josephsohn gewidmete Museum «La Congiunta». Der Zürcher Architekt Peter Märkli konzipierte das Museum, das dreissig Werke Josephsohns beherbergt, als unscheinbaren Betonkubus. Im Innern wähnt man sich in einer Kirche, die nur von einem Oberlichtfenster ausgeleuchtet wird.

«Gefühle, Konflikte, Niederlagen»

Im Tessiner Museum finden sich Josephsohns archaisch-figürliche Reliefs und freistehende Halbfiguren, welche für das sakrale Ambiente der Räume wie geschaffen sind. Zeitlos erzählen sie Geschichten des Menschen, Geschichten über dessen «Gefühle, Konflikte, Niederlagen, Wünsche», wie der Künstler einst sagte.

In der Deutschschweiz ist im ehemaligen Kesselhaus der Färberei Sittertal in St. Gallen jeweils eine wechselnde Auswahl von Gipsmodellen und Bronzen des Zürcher Bildhauers zu sehen. Das 2004 eröffnete Kesselhaus, wo Josephsohn bis vor wenigen Jahren noch gearbeitet hat, dient als museale Ausstellungshalle und als Lager.

In vielen Schweizer Ortschaften, beispielsweise in Langenbruck BL, in Chur oder in Schaffhausen, stehen Werke des Künstlers im öffentlichen Raum, wie das Kesselhaus auf seiner Webseite schreibt. Für die Stadt Zürich sind gleich acht Standorte aufgeführt.

«Grosse Liegende» in Köln

Und wer das von Peter Zumthor entworfene Kunstmuseum des Erzbistums Köln (Kolumba) besucht, begegnet einem besonders prominent platzierten Kunstwerk Josephsohns: Im Hof der Kolumba macht seine «Grosse Liegende» auf einer Parkbank Pause.

Die im Jahr 2000 vollendete Messingplastik ist Teil der Schau «Hinterlassenschaft», welche «Spuren menschlicher Existenz» dokumentiert. Sie schlagen sich nieder in Alltagsgegenständen und künstlerischen Arbeiten: älteren sakralen wie zeitgenössischen.

Die «Grosse Liegende» wirkt in dieser Umgebung wie ein Urgestein, wie wenn sie schon immer auf dieser Bank geruht hätte. Sie ist Mensch und Engel zugleich und verkörpert den engen Dialog zwischen weltlicher und sakraler, zwischen heutiger und alter Kunst.

SDA/phz

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