«Hört auf, die Kultur der USA zu imitieren»

Der 67-jährige Don Rosa ist vor allem für seine Arbeit für Disney bekannt. In Basel spricht er über seine Karriere.

Don Rosa an der Fantasy Basel. Foto: Florian Bärtschiger

Don Rosa an der Fantasy Basel. Foto: Florian Bärtschiger

Clara Vuille-dit-Bille

Herr Rosa, Sie haben als 6-Jähriger angefangen, Comics zu zeichnen. Wie kam es dazu?
Meine Schwester sammelte massenhaft Comics. Ich schaute mir diese buchstäblich seit meiner Geburt an – am liebsten jene von Carl Barks. Ich liebte die Lebendigkeit seiner Figuren. Für mich waren sie wie echte Menschen, so echt wie etwa meine Eltern.

Wie haben Sie als Autodidakt ein so hohes Niveau erreichen können?
Eigentlich hätte ich ja das Familienunternehmen weiterführen sollen. In die Comic-Branche bin ich reingestolpert. Mein Enthusiasmus und stetiges Üben haben sicher dazu beigetragen, dass ich so weit gekommen bin. Und meine Detailversessenheit.

Woran erkennt man den Unterschied zwischen professionell ausgebildeten Comiczeichnern und Ihnen?
Ein ausgebildeter Zeichner kann viel mehr Arbeit in viel weniger Zeit erledigen. Ich brauchte oft zweimal so lange wie andere Zeichner. Aber anders hätte ich das gar nicht gewollt. Wenn ich eine Arbeit machen möchte, die man möglichst schnell und günstig erledigen kann, wäre ich im Bauwesen geblieben. Aber ich wollte meinen Traum leben.

Sie sind in Europa berühmter als in den USA. Wie kommt das?
Amerikaner interessieren sich nur für Dinge, die neu sind. Alles was älter ist als fünf Jahre, gilt bereits als alt, und Comics sind nun mal nicht neu. Als ich das erste Mal nach Europa reiste, war ich überrascht von dem Gespür für Tradition. In Europa interessieren sich junge Leute für das, was ihre Eltern tun, und entscheiden selbst, was sie gut finden. Amerikaner mögen nur das, was ihre Freunde auch toll finden – sie imitieren sich gegenseitig. Deshalb frustriert es mich auch so, wenn ich sehe, dass immer mehr junge Europäer die Amerikaner imitieren. Hört auf damit, die US-Kultur zu imitieren! Sie ist sowieso am Zerbröseln.

Was würden Sie einem jungen Comiczeichner mit auf den Weg geben?
Geh auf Nummer sicher, zeichne deine Comics als Hobby und baue dir nebenbei ein Leben auf. Vielleicht ergibt sich wie bei mir ein Wunder und du hast das Glück, aus deinem Hobby einen Beruf machen zu können.

Werden Sie selbst je wieder ein Comic zeichnen?
Nein. Ich zeichne nur noch für meine Fans. Die Comic-Indus­trie hat mir den Enthusiasmus genommen. Grosse Namen wie Disney nutzen ihre Künstler aus und veröffentlichen unschön kolorierte Comics unter meinem Namen. Ich beklage mich nicht, weil ich mit der Arbeit nicht viel verdiente. Aber wenn irgendwo mein Name draufsteht, will ich, dass die Qualität stimmt. Das war immer meine oberste Priorität.

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