Karl Schenk bekommt ein Museum

Evelyne Germann eröffnet am kommenden Sonntag ihr im Schloss Fraubrunnen eingerichtetes Museum für Karl Schenk.

ImageCaption. Foto: Fotograf Evelyne Germann im Museum. Rechts ihre Doppelgängerin.

ImageCaption. Foto: Fotograf Evelyne Germann im Museum. Rechts ihre Doppelgängerin.

(Bild: PD)

Helen Lagger@FuxHelen

Es könnte ein Porträt aus der Renaissance sein: Ein wenig mysteriös und von aparter Schönheit ist die Frau auf Karl Schenks Gemälde, deren Profil sich vor einem sich in Auflösung befindenden Hintergrund abhebt. Die Haare hat sie zu einem Dutt zusammengebunden. Datiert ist das im spätimpressionistischen Stil gemalte Bild nicht, aber es stammt wohl aus den Dreissigerjahren.

Die in den Siebzigerjahren geborene Evelyne Germann hat ein Foto von sich, auf dem sie der Unbekannten auf verblüffende Art und Weise gleicht. Ein schöner Zufall. Denn Evelyne Germann ist die Nachlassverwalterin des Künstlers und hat aus eigenem Antrieb ein Museum aus dem Boden gestampft, das am kommenden Sonntag im Schloss Fraubrunnen eröffnet wird.

Das «Key Visual» des Museums steht bereits fest. Passend zum Ort Fraubrunnen hat Germann ein von einem Dorfbrunnen Wasser trinkendes Mädchen ausgewählt. In den Fünfzigerjahren malte Karl Schenk viele solche idyllische Szenen mit Kindern, die Schafe hüten, selbstvergessen Seifenblasen machen oder Indianer spielen.

Blick aufs Gesamtwerk

Evelyne Germann ist es aber ein Anliegen, das Gesamtwerk des Künstlers zu zeigen, nicht nur die gefälligen Sujets, die viele mit ihm verbinden. So gibt es in Fraubrunnen auch einen von Totenschädeln umgebenen lüsternen Faun, brachial miteinander kämpfende Pferde oder einen «Hexenflug» mit nackten, auf Besen reitenden Weibsbildern zu entdecken. Dass Schenk wie fast alle seine Zeitgenossen phasenweise stark von Ferdinand Hodler beeinflusst war, ist deutlich erkennbar.

Karl Schenks Frühwerk besteht mehrheitlich aus Bildhauerei. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Maler hatte ursprünglich Arzt werden wollen und nahm Kurse in Anatomie, was ihm schliesslich als Künstler zugutekam. Karl Schenk gestaltete Glasfenster, Reliefs, Mosaike, Schnitzereien und Büsten von Bundesräten. Oder die Skulptur «Der Arbeiter» an der Fassade des Berner Rathauses.

Auch Evelyne Germann lernte Karl Schenk durch eine Skulptur kennen und lieben. Als Schülerin blickte sie auf die im Schulhof stehende, von Äsops Fabel inspirierte Bronzeskulptur «Fuchs und Rabe». Jahre später besuchte Germann eine Ausstellung, die Karl Schenks Tochter Kathryn Schenk organisiert hatte. Den 1973 im Alter von 68 Jahren verstorbenen Künstler konnte sie persönlich nie kennen lernen.

In der Ausstellung stiess Germann auf das Motiv «Fuchs und Rabe» im Kleinformat und entschied sich spontan, das Werk zu kaufen. Kathryn Schenk war zeitlebens eng mit ihrem Vater verbunden gewesen und trat als Malerin und Bildhauerin in seine Fussstapfen. Auf dem Berner Bremgartenfriedhof steht gar eine gemeinsam mit dem Vater gestaltete, mit «K. + K. Schenk» signierte Skulptur. Kathryn Schenk brachte «Fuchs und Rabe» nach dem Kauf persönlich zu Germanns Haus. «Es war der Anfang einer Freundschaft», erinnert sich diese. Sie hätten sich wöchentlich getroffen, gemeinsam aquarelliert und natürlich oft über Karl Schenk gesprochen.

Mehrere Ausstellungen zu Ehren des verstorbenen Malers haben die beiden Frauen zusammen organisiert. «Kathy hat von einer Dauerausstellung geträumt», sagt Germann. Doch als sie vor einem Jahr schwer erkrankt sei, habe sie keine Zeit mehr gehabt, den Nachlass zu regeln. Germann hatte bereits zahlreiche Werke in ihrem Privatbesitz. Nun kaufte sie den ganzen Nachlass – Farbtuben, Briefe und Fotos inklusive – und entschloss sich, nach einem passenden Ausstellungsort zu suchen. Im historischen Kornhaus des Schlosses von Fraubrunnen hat sie schliesslich ideale Bedingungen gefunden.

Das kleine Museum hat sogar einen Museumsshop, in dem man Postkarten und Tassen mit Motiven des Künstlers kaufen kann. Das Türschild hat Germann selbst gestaltet und angesprayt. Bis zur Eröffnung sollte es trocken sein.

Eröffnung: Sonntag, 3. März,15 Uhr, im Karl-Schenk-Museum, Schloss Fraubrunnen. www.karlschenkmuseum.ch

Berner Zeitung

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