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«Malerei aus dem Irrenhaus»

Am Sonntag startet in Basel die Picasso-Ausstellung. Anne Sinclair, die Ex-Frau von Dominique Strauss-Kahn, ist die Enkelin des Picasso-Freunds Paul Rosenberg. Für ihr neues Buch stieg sie ins Familienarchiv.

«Die Picassos sind da!» heisst die Ausstellung im Kunstmuseum Basel, hier die «Buveuse d'absinthe» von 1901.
«Die Picassos sind da!» heisst die Ausstellung im Kunstmuseum Basel, hier die «Buveuse d'absinthe» von 1901.
Succession Picasso
Pablo Picasso: Le repas frugal, 1904.
Pablo Picasso: Le repas frugal, 1904.
Succession Picasso
Picasso in seinem Atelier in Notre Dame de Vie bei Mougins mit den Gemälden «Vénus et l'Amour» und «Le couple» (1967).
Picasso in seinem Atelier in Notre Dame de Vie bei Mougins mit den Gemälden «Vénus et l'Amour» und «Le couple» (1967).
Kurt Wyss
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Die französische Journalistin Anne Sinclair geriet zuletzt wegen ihres Ehemanns Dominique Strauss-Kahn in die Schlagzeilen. Inzwischen von ihrem Mann getrennt, hat sie ein Buch über ihren Grossvater Paul Rosenberg geschrieben: «Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine?», ein persönliches und berührendes Porträt voller faszinierender Anekdoten.

Rosenberg war einer der bedeutendsten Kunsthändler und Galeristen im Paris der 1910er- bis 1930er-Jahre. 1910 gründete er eine Galerie in der Rue La Boétie, die bald mit Einzelausstellungen von Braque, Léger, Matisse Aufsehen erregte. Zu den Künstlern unterhielt er enge persönliche Beziehungen. Pablo Picasso wohnte im Haus nebenan und malte mehrere Porträts der Familie Rosenberg. Der Spanier nannte ihn «Rosi», Rosenberg ihn «Pic» - und mahnte beim Malergenie versprochene Bilder ein. Vielleicht entstanden bekannte Bilder aus jener Zeit wie «Madame Rosenberg et sa fille», das Anne Sinclairs Mutter und Grossmutter zeigt, ja als eine Art Anzahlung.

Die beiden waren laut Sinclair ein ungleiches Paar. Picasso wurde im Oktober 1881 geboren, Paul im Dezember desselben Jahres. Paul gehörte aber der klassischen Bourgeoisie an, Picasso zur Avantgarde. Doch Picasso merkte schnell, dass er sich für den Verkauf seiner Bilder auf Rosenberg verlassen konnte – der allerdings bis Mitte der Zwanzigerjahre kaum Interessenten dafür fand. Trotzdem kaufte er Picasso ein Bild nach dem anderen ab.

Kein Platz für Clowns

1923 organisierte Rosenberg die erste Ausstellung des spanischen Künstlers in den USA an der Fifth Avenue. Ein Flop. Die Leute lachten, sie zeigten auf die Kritzeleien und höhnten. Auch ein Teil der Kritik reagierte verständnislos, sogar feindselig, schäumte gegen «die Malerei aus dem Irrenhaus». Der Galerist verkaufte kein Bild und schrieb sarkastisch an den Künstler nach Paris: «Man muss verrückt sein wie ich oder erleuchtet wie ich, um etwas Derartiges zu unternehmen.» Später stellte Rosenberg Picassos Bilder zusammen mit solchen von Turner und Monet aus und brachte Picasso dazu, sich vom Kubismus zu lösen und wieder Sujets in Angriff zu nehmen.

Anne Sinclair schreibt über ihren Grossvater als einen Mann, der gegen die Unbilden der Zeitgeschichte kämpfte, einmal als Visionär der Modernen Kunst, einmal als verfolgter jüdischer Geschäftsmann. Rosenbergs Aufgeschlossenheit für die Moderne hatte aber auch Grenzen. Die Surrealisten, schreibt Sinclair, mochte er überhaupt nicht: «Salvador Dalí sprach ihn einmal in einem Restaurant an und bat ihn, von der Galerie Rosenberg vertreten werden zu dürfen. Mein Grossvater wies ihn zurück: In seiner Galerie sei kein Platz für Clowns.»

Eine weitere Passage zum Schmunzeln erzählt, wie sich Sinclair um die Chance für ein eigenes Picasso-Porträt brachte. Als sie 14 Jahre alt war, schlug Picasso ihrer Mutter vor, sie zu malen. «Ich sehe», sagte er, «dass sie überall Augen hat!» Darüber erschrak Sinclair so, dass sie heulend davonlief – sie hatte Angst, «mit verrutschtem Gesicht» gemalt zu werden.

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