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«Menschen sind in ihrer eigenen Hölle gefangen»

Hat die alte religiöse Disziplinierungsmassnahme der sieben Todsünden, denen das Kunstmuseum Bern derzeit eine Ausstellung widmet, mit unserem zügellosen modernen Leben noch etwas zu tun? Mehr als man denkt, findet der Theologe Bernhard Neuenschwander.

Das Kunstmuseum Bern widmet sich mit einer Ausstellung den sieben Todsünden. Die sieben Todsünden, nackt, dargestellt in moderner Körpersprache des Fotokünstlers Magnus Plessen: Hochmut.
Das Kunstmuseum Bern widmet sich mit einer Ausstellung den sieben Todsünden. Die sieben Todsünden, nackt, dargestellt in moderner Körpersprache des Fotokünstlers Magnus Plessen: Hochmut.
Magnus von Plessen (*1967)
Neid.
Neid.
Magnus von Plessen (*1967)
Habgier.
Habgier.
Magnus von Plessen (*1967)
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Herr Neuenschwander, in der Ausstellung «Lust und Laster» in Bern sieht man auch pornografische oder Gewaltdarstellungen. Ist es eine Sünde, wenn Kunstschaffende Todsünden so explizit darstellen? Bernhard Neuenschwander: Es stellt sich immer die Frage, welche Absicht hinter einer expliziten Darstellung steckt: Kunst kann eine moralische Aussage transportieren. Aber unter einem pädagogischen Deckmantel kann ein Künstler auch verdrängte Bedürfnisse befriedigen und eine unmoralische Seite ausleben – das ist dann Ausdruck von Doppelmoral.

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