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Mit Ai Weiwei wird Architektur in Bregenz zu Politik

Auf drei Etagen und 1500 Quadratmetern zeigt das Kunsthaus Bregenz vom 16. Juli bis 16. Oktober nur vordergründig das architektonische Werk des Künstlers Ai Weiwei.

Auf der Suche nach Ai Weiwei: Ausstellung im Kunsthaus Bregenz.

Lange musste das Kunsthaus Bregenz bangen, ob die Exponate, die teils in China zurückgehalten wurden, Bregenz je erreichten. «Wir haben uns um Ai Weiwei Sorgen gemacht. Und auch um unsere Ausstellung», sagte Kunsthaus-Direktor Yilmaz Dziewior am Donnerstag.

Jetzt wo alle Stücke da sind, angeordnet nach den genauen Angaben Ai Weiweis selbst, der nach seiner Haftentlassung unmittelbar wieder per E-Mail in den Aufbau eingebunden war, fehlt der Künstler umso deutlicher. Denn jedes Stück nimmt Bezug auf seine Abwesenheit - zumindest ist das die Lesart, die über allem schwebt, weil derzeit nicht abzusehen ist, ob Ai Weiwei sich je wieder ungehindert in der Welt wird bewegen können.

Siegerentwurf für das Olympiastadion in Peking ausgestellt

Dabei dokumentiert gerade sein architektonisches Schaffen eine Freiheit, die Grenzen nicht anerkennt. Auf der ersten Ausstellungsebene zeigen Modelle und Entwürfe Gebäude, die bereits entstanden sind oder die vor ihrer Realisation stehen. Eindrücklich ist dabei der minimalistische Ansatz, den Ai Weiwei wählt, zum Beispiel beim Projekt «Vogelnest», das mit dem Künstler als Berater schliesslich zum Siegerentwurf für das Olympiastadion in Peking wurde. In den gezeigten Modellstudien liegt etwa ein chinesisches Sitzkissen, das wie die Abstraktion des fertigen Stadions wirkt.

Eine grosse Wand mit toten Monitoren zeigt, wie das politische China Einfluss nimmt auf die Ausstellung in Österreich: Die Videos, die dort Schaffensprozesse zeigen sollten, liegen auf Computern, die zunächst beschlagnahmt waren. «Wir bekommen sie aber noch», sagt Kurator Rudolf Sagmeister und hofft auf ihre Ankunft in den nächsten Tagen.

Ein mehr als 500 Quadratmeter grosses Holzmodell zeigt 100 Entwürfe für eine visionäre Modellstadt in der Mongolei. Die einzelnen Elemente basieren auf den Ideen 100 verschiedener Architekten auf der ganzen Welt, die sich in der chinesischen Halbwüste trafen und gemeinsam mit Ai Weiwei das Projekt «Odros 100» entwickelten. Ob dieses Beispiel globaler Kreativität und Vielfalt je gebaut wird, steht noch nicht fest. An den Wänden hängen die 100 Entwürfe zu den Gebäude-Visionen, die die enorme Holzplastik beeinhaltet.

Verschiedene Solidaritätsaktionen des Kunsthauses

In der dritten Etage stehen in zwei Reihen acht «Moon Chests». Diese freie Arbeit wirkt mehr als Skulptur denn als Architektur. Die einzelnen Objekte sehen aus wie riesige chinesische Schränke, versehen mit zwei runden Öffnungen, die von Objekt zu Objekt anders positioniert sind. Die optischen Schnittmengen entsprechen den Mondphasen. Durch die Anordnung und den Blick zwischen mehreren dieser Öffnungen hindurch entsteht je nach Perspektive ein Tunnelblick sowie eine eigentümliche Tiefe.

«Ai Weiwei war euphorisiert von dem Gedanken, seine Werke in der einzigartigen Architektur des Kunsthauses zu zeigen», erinnert sich Kurator Sagmeister, der den Künstler mehrmals traf. «Aber wir wollen mehr tun, als es nur schade finden, dass Ai Weiwei nicht hier sein kann», sagt er und verweist auf verschiedene Solidaritätsaktionen des Kunsthauses. Weithin am sichtbarsten ist der Schriftzug auf dem Dach des Kunsthauses, der auf einer Länge von mehr als 20 Metern und in beachtlichen Lettern fordert: «Free Ai Weiwei».

dapd/net

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