Zum Hauptinhalt springen

Mit dem Zauberstab unterwegs im dunklen Kunsthaus

Während der Kunsthausnacht «Into the light» vom Samstag durften die Besucher für einmal Gemälde in verdunkelten Sälen mit der Taschenlampe entdecken.

Mit der Taschenlampe wird der Betrachter zum Regisseur, schwenkt über die Szene, zoomt und ist mitten drin.
Mit der Taschenlampe wird der Betrachter zum Regisseur, schwenkt über die Szene, zoomt und ist mitten drin.
SOPHIE STIEGER

Wer am Samstagabend vom Pfauen zum Kunsthaus schaute, hätte dort Einbrecher vermuten können: Lichtkegel mehrerer Taschenlampen leuchteten bis Mitternacht aus dem 1. Stock in die Nacht. Ein bisschen verboten fühlte sich der Parcours durch die verdunkelten Säle auch an, zumal die meisten Besucher ihre Stimme den Lichtverhältnissen anpassten und verschwörerisch flüsterten.

Im ersten Raum schärft der eigene Lichtstrahl den Blick auf die spätmittelalterlichen Kirchenbilder der so genannten Nelkenmeister. So rücken in der «Darbringung Christi» um 1495 unerwartet Details in der Vordergrund, welche die Geistlichen sehr menschlich machen. Zum Beispiel das Zoccoli-artige Schuhwerk eines müden Mannes, seine fettigen Haare und geschundenen Hände. Je nach Licht des Betrachters lassen sich die Mienen der Geistlichen erhellen oder verdüstern, und so gesellt sich zum interessierten Blick bald auch der schelmische, der Hirsche in weiter Ferne zu den wahren Protagonisten erhebt und die Skulptur eines Falken monströse Schatten werfen lässt.

Wenn die Pastorale das Fürchten lehrt

Die Baumkronen in den idealen Landschaftsmalereien wirken im Dunkel wie bedrohliche Naturgewalten. Einem Zauberstab gleich verwandelt der Lichtstrahl der Taschenlampe die Szene, lässt einen Fluss durchs Tal fliessen, Kühe über die Weide traben und Hirten sich am Wasser laben. Der Betrachter wird zum Regisseur, der über das Geschehen schwenkt, sich hin- und wegzoomt und so seine eigene Geschichte erzählt. Diese kann höchstens von anderen Regisseuren gestört werden, die einen ganz anderen Film im Sinn haben. Oder vom Sicherheitspersonal, dass hie und da freundlich darauf hinweist, nicht zu nahe an die Bilder zu leuchten, damit diese keinen Schaden nehmen und die elektronische Sicherung nicht Alarm schlägt.

Der Taschenlampen-Parcours war die Hauptattraktion in der Kunsthausnacht «Into the light», an der für einmal das Licht als wichtigstes Mittel der Inszenierung der Kunst zum Thema gemacht wurde. Über 750 Besucher nutzten die Gelegenheit, Schweizer Kunst, alte Meister und Skulpturen in anderem Licht zu sehen und sich in der Installation «My God ist God himself» selbst durch Projektionen zu bewegen. Laut Kunsthaus-Sprecher Björn Quellenberg sei die Konzentration bei den Führungen und in den verdunkelten Sälen förmlich greifbar gewesen. Wiederholt werde die Nacht in dieser Form zwar nicht, vielleicht werde die Taschenlampen-Betrachtung aber als Workshop ins Programm der Kunstvermittlung aufgenommen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch