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Wenn die Bühne zum Boot wird

Künstler suchen krampfhaft den Anschluss an das Politische. Doch Kunst darf nicht Mittel zum Zweck sein.

Im Prinzip ist es ja löblich, wenn sich die Kultur politisch gibt. Wenn sie sich der Katastrophen und Miseren dieser Welt annimmt und diese mit ästhetischen Mitteln darzustellen versucht. Das sorgt für Dringlichkeit und Relevanz und schafft zudem eine Reibungsfläche, die mediale Resonanz garantiert. Kaum ist das Berliner Theatertreffen zu Ende, das ganz im Zeichen der mediterranen Flüchtlingskatastrophen stand, kaum sind die Solothurner Literaturtage passé, an denen über das Elend der Welt debattiert wurde, nehmen sich nun auch Zürcher Häuser der Thematik an.

Im Theater an der Gessnerallee (TA von gestern) beispielsweise werden die Zuschauerinnen und Zuschauer zu politisch Verfolgten und Entrechteten, müssen sich die Arroganz der Behörden gefallen lassen und werden – zusammen mit den Schauspielern – existenziell in die Enge getrieben. Am eigenen Leib und Leben sollen sie spüren, wie es sich anfühlt, politisch verfolgt zu werden. Im Besitz aller demokratischen Rechte darf man sich im Nichtbesitz dieser fühlen – was für ein Theater!

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