Käpt’n Häni hisst erneut die Segel

Gut gemeinter Pop mit berndeutschen Texten: Das ist Halunke. Soeben ist das neue Album «Superheld» erschienen.

Sechs Musiker von Halunke, darunter Christian (mit Hut) und Anja Häni.

Sechs Musiker von Halunke, darunter Christian (mit Hut) und Anja Häni. Bild: zvg

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«Superheld» – so heisst das neue Album des Berner Musikerkollektivs Halunke um den Sänger, Songwriter und Gitarristen Christian Häni. Der ehemalige Scream-Frontmann sorgt immer wieder für eine Überraschung. So hielten er und seine Bandmit­glieder ihre Identität bis zum ­Erscheinen des ersten Albums «Souerei» (2010) verdeckt, um die Musik für sich sprechen zu lassen.

Für das dritte Album «Grammophon» (2014) spielte Häni fast alle Instrumente selbst ein. Diesmal hat Käpt’n Häni, wie sich Häni im Songbooklet nennt, seinen Matrosen – alles erfahrene Musiker – die Songs vorgespielt und zehn Minuten später aufgenommen. Die Musik sollte «möglichst frisch» tönen.

Grenzenloser Optimismus

«Mi Tag», «Perfekt», «Superheld» oder «Paradies» – schon die Titel lassen erahnen: Häni zielt mit seinen Songs darauf ab, eine positive Stimmung zu verbreiten. Häni erklärt, im alltäglichen Smalltalk würden negative Ereignisse oft überbetont. Ihm selbst passiere das. «Viellech ghörts o chli zur Schwiizer Mentalität.» Sich aufs Gute zu konzentrieren, sei schwieriger. Darum habe er aus rund 70 Songs mit seiner Frau Anja jene mit «positiven Botschaften» ausgesucht.

Häni macht kein Geheimnis daraus, dass sie seine «persönliche Superheldin» ist. Mit ihr hat er seit sieben Jahren eine eigene Plattenfirma und eine Booking­agentur. Auch Vertrieb und Promotion erledigen die beiden selber. «Di wahre Superheude si diä, wo sech sozial engagiere, öperem über d Strass häufe oder Jobs hei, wo süsch niemer wot mache», sagt er aber. Oft erhielten diese viel zu wenig Anerkennung.

Aber wie klingen sie überhaupt, die neuen Songs von Halunke? Nach solidem, wenn auch nicht sonderlich aufregendem Pop, der von Hänis Stimme mal rappend, mal singend, aber durchgehend Berndeutsch getragen wird.

Mit dem als Bond-Song gedachtem «Fortress of Angels» hat sich Häni zusammen mit Josua Romano (Red Shoes) einen Bubentraum erfüllt. Dadurch haben es in «Was isch los» einige provokative Zeilen aufs Album geschafft – «vegane Hipster mit Laktoseintoleranz» oder «tätowierte Spiesser» werden angesprochen, was inmitten der gut gemeinten Popsongs guttut.

Duett mit Büne Huber

«Schiffbruch» ist ein Duett mit Büne Huber, aber auch sonst wähnt man sich ab und zu in einem Patent-Ochsner-Song, etwa bei der Ballade «Paradies» oder in «Vagant». Häni kennt Huber persönlich, dieser hat sogar seine Frau über ihn kennen gelernt. «Weni zum Bispiu nid ma choche, chanim aalüte, u er chunnt cho choche», meint er augenzwinkernd. Auch Züri West lässt grüssen – so hat man am Beginn von «Wes am schönschte isch» das Gefühl, Kuno Lauener behauche einen höchstpersönlich.

Überraschend ehrlich ist «Ohni Trick», in dem Halunke über den Entstehungsprozess seiner Songs schreibt, einem «Zouber zwüsche Chopf und ­Buuch». Er habe unterschiedliche Tricks ausprobiert, die beim Songschreiben helfen sollen. Etwa, ob er mit Alkohol besser schreibt.

Aber: «Ds Einzige, woni gmerkt ha, isch, dassi bsoffe bi gsi.» Er sei eher der Handwerker, der sich zum Schreiben hinsetze, als dass er plötzlich von der Inspiration beflügelt werde. So oder so: Das Album ist da, und Käpt’n Häni und seine Matrosen stechen erneut in See.

Halunke:«Superheld», Der letzte Schrei Records. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.08.2017, 11:57 Uhr

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