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Abheben, ganz ohne Flugscham

Im Sternensaal Bümpliz lud die Krautrockband Jane zur Zeitreise.

Samuel Mumenthaler
Peter Pankas Jane boten ein Stück Rockgeschichte.
Peter Pankas Jane boten ein Stück Rockgeschichte.
Samuel Mumenthaler

«Der ist für alle, die gern harzen», grinst der Gitarrist mit der silbergrauen Mähne. Und kündigt einen Song mit dem Titel «Fly Away» an. Eben haben Klaus Walz und die Band Jane nach einer ausführlichen Pause, wo offenbar auch die eben erwähnten «seltsamen» Zigaretten die Runde gemacht gaben, ihr zweites Set im gut besuchten Sternensaal Bümpliz begonnen.

Die Pause hatten sich Jane redlich verdient: Das erste Set dauerte so lange wie bei manchen Bands ein ganzes Konzert. Kein Wunder: Fast jeder der Songs, die Jane spielen, ist länger als fünf Minuten, bei manchen scheint die Zeit gar keine Rolle mehr zu spielen.

Solch entschleunigte Rockmusik, wo singende Gitarren und Synthies über einem soliden Rhythmusfundament und einem Orgelteppich schweben, muss aus einer anderen, weniger zerstreuungsfreundlichen Zeit stammen. Einer Zeit, als Mobiltelefone noch fast ein Kilo auf die Waage brachten und für Durchschnittskonsumenten unerschwinglich waren.

Und tatsächlich: Die Gründung von Jane geht auf das Jahr 1970 zurück. Rasch wurde die Band aus Hannover zu einem Aushängeschild der deutschen «Krautrock»-Szene. Mehr als 1 Million Platten hat sie in ihrer bald 50-jährigen Karriere verkauft. Gerade in der Schweiz waren Jane immer sehr populär. Doch das stete Leben auf Tour forderte seinen Tribut: Die Gründungsmitglieder verkrachten sich.

Mittlerweile sind zwei Jane-Formationen unterwegs. Schlagzeuger Peter Panka, welcher der hier auftretenden Inkarnation einst seinen Namen gab, verliess diese Welt schon 2007, mit Charlie Maucher starb im letzten Sommer ein weiteres Gründungsmitglied. Doch vorderhand geht die Show rund um den nachgerückten Bandleader Klaus Walz (seit 30 Jahren an Bord) weiter, auch wenn unklar ist, wie lange noch.

Firlefanz gibt es bei Jane nicht, wenn man von gelegentlicher «Seid ihr gut drauf?»-Animation absieht. Die fünf Musiker spielen konzentriert und engagiert, tauchen tief ein in das Stück Rockgeschichte, das sie präsentieren. Dank den – vergleichsweise - jungen Musikern Corvin Bahn (Keys) und Niklas Turmann (Gitarre) sind solistische Höhenflüge zu verzeichnen, der Bassist Holger Coolyard prägt den Sound auch als Sänger mit. Für Authentizität sind die Veteranen Klaus Walz und Achim Poret (Drums) besorgt.

Einige der von Orgel und Gitarre unisono gespielten Riffs tönen wie Deep Purple, die Gitarre erinnert an Pink Floyd. Doch irgendwie ist dieser gemächlich, aber unbeirrbar vorwärtstreibende Sound auch zutiefst eigenständig. Jane lassen sich Zeit, um ihre Songs aufzubauen, entwickeln einen hypnotischen Sog, den sie mit Rhythmus- und Tempowechseln brechen. Es gibt keine Anbiederungen an den Zeitgeist, fast scheint es, als sei der Sternensaal zur Zeitkapsel geworden.

Und das Publikum? Es ist fast so altehrwürdig wie der Saal, doch es bleibt nicht stehen. Überall sieht man ausdrucksfreudige Tänzerinnen und Tänzer am Werk. Abheben und wegfliegen ist die Devise. Für einmal ganz ohne Flugscham.

Nächstes Krautrock-Konzert im Sternensaal: Birth Control, 13. März 2020.

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